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1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
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mals den Italienern schrecklichen Artillerie zu bekämpfen.Er schlug vor, die Musketiere und leichten Reiter auf dieFlügel der Armee zu stellen. Diese sollten die Schlacht an-fangen, und sich mit der größten Geschwindigkeit unterdie feindlichen Kanonen begeben, um sie anzugreifen. Ersagt:Wenn sie angegriffen werden, muß sie der Feindentweder verlassen; dann werden sie erobert, oder er ver-theidigt sie; alsdann muß er sie hinter sich lassen, undauf diese Art werden sie ihm unnütz. Das beste Mittelwider sie ist, daß man sich ihrer bemächtigt, ehe sie zumFeuern kommen können" *), Grundsätze, die sich auf dienoch häufig im Gebrauch gewesenen blanken Waffen be-ziehen, und als die Artillerie sich noch nicht bewegenkonnte.

Die Mannigfaltigkeit der Gegenstände, welche dieArtillerie umfaßt, machten sie gleich Anfangs ihrer Erfin-dung zu einer Kunst; später, als man einsah, wie sehrChemie, Mathematik und Mechanik darauf einwirkten, zueiner Wissenschaft.

Mit dem sechszehnten Jahrhundert legten (1537)Tartaglia's Betrachtungen über die Bahn der Geschützku-geln, ferner (1540) Vqnnoccio Biringoccio's Untersuchun-gen über das Gießwesen, und Hartmanns Erfindung desKalibermaaßstabes, den Grund zu dreien der wichtigstenHauptstücke der Artilleriewissenschaft,

Doch wurde in dieser und in der noch folgenden Zeitder Gebrauch und die Bedienung der Geschütze nur empi-risch als ein Handwerk betrachtet. Die das Geschütz be-dienten, hießen Büchsenmeister und Feuerwerker; ersterebei den Kanonen, letztere bei den Wurfgeschützen, auchmit den Kunstfeuern beschäftigt. Sie mußten ihre Kunsthandwerksmäßig erlernen, ihren Lehrbrief vorzeigen, undihr Probestück machen, welches in Bedienung der verschie-

I) Arte della guerra. Floren;, 1521,