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1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
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31
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schützkunst gethan, und mancherlei Vortheilhafte Verände-rungen veranlaßt. An vielen Orten seiner weitläuftigenStaaten legte er Stückgießereien an; Kaliber, Lange undMetallstärke wurden nach einer gewissen Form festgestellt.Hiebei ließ er die Kaliber größer, als die seiner Feindeannehmen, um augenblicklich die feindlichen Kugeln be-nutzen zu können, indeß die seinigen dem Feinde nichtnützlich seyn konnten.

Oben ist schon bemerkt worden, daß Tartaglia undAndere den Grund zur wissenschaftlichen Ausbildung derArtillerie legten. In dieser eröffneten Laufbahn arbeitetenzur Zeit des niederländischen Kampfes Ludwig Cottadound Ufano. Am Ende des sechszehnten Jahrhundertsmachte in Frankreich der Herzog von Sully große Ver-änderungen und Verbesserungen, setzte die Artillerie aufeinen festen Fuß, welcher nachmals andern Mächten zumMuster diente, und die französische Artillerie schneller em-por brachte.

Der beinahe fünfzig Jahre dauernde Kampf der Nie-derländer für ihre Freiheit und Unabhängigkeit, hat indeßdie Taktik und den Gebrauch der Artillerie im freien Feldewenig entwickelt, erweitert und ausgebreitet; dagegen die-selbe beim Angriff und Vertheidigung der Festungen vielhöher gestellt, das Wurfgeschütz und die Kunstfeuer ausge-bildet. Hiebei wurden zuerst die Kartatschen von Muske-tenkugeln, neben dem bis dahin üblichen Hagel, einge-führt; auch scheint man sich, des geschwinden Feuers we-gen, der Patronen oder Kartuschen zuerst bedient zu haben.Der Gebrauch der glühenden Kugeln, obwohl fie schonfrüher gekannt waren, wurde in diesem niederländischenKriege, so wie der der Brandkugeln und Bomben, all-gemeiner ').

Weniger zahlreich war die Artillerie im Felde bei

1) v. Hoyers Geschichte der Kriegskunst.