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1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
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Alle Einrichtungen Gustav's tragen das Gepräge desNeuen, des Genialen. So stellte der König seine Infamterie in sechs Glieder, von denen die zwei vorder» ausMusketieren, die vier Hintern aus Pikenieren bestanden.Die unbehilflichen Gabeln der Musketiere wurden abge-schafft, und die Musketen erleichtert; die Pike erhielt einezweckmäßigere Größe und Gestalt.

Gustav und sein Artilleriegeneral Torstenson erkanntendie Artillerie; der erstere vermehrte ste in großer Anzahl,und der letztere wußte ste zweckmäßig zu brauchen. BeiGreifenhagen (1630) hatte der König bei 12,000 MannInfanterie und 85 Schwadronen 80 Batteriestücke, vorFrankfurth a. d. O. 200 Geschütze. Beim Einmarsch inFrankfurth a. M. führte der König 56 Geschütze an derSpitze, ohne die nachfolgende und schwere Artillerie zurechnen, welche auf dem Rheine eingeschifft war. SeineArmee war vor der Vereinigung mit den Hessen 23,000Mann, nach dieser 35,000 Mann stark.

Den Uebergang über den Lcch forcirte er unter Aus-stellung von 72 schweren Kanonen, und als er in ebendiesem Jahre nach Nürnberg eilte, führte er 70 Ge-schütze mit *).

Bis zu Gustav's Zeit hatte man in Schlachten dieArtillerie noch zerstreut vor der Front der Armeen aufge-stellt. Der König zog die Artillerie in großen Batterienauf die Flügel und Mitte der Armee zusammen, welcherGebrauch seit jener Zeit allgemein eingeführt, späterhin wei-ter ausgedehnt wurde, und die Veranlassung zur Einthei-lung der Artillerie in Batterien und Brigaden gegeben hat.

Gustav's Heldentod in der Schlacht bei Lützen machtden Schlußstein seines thatenreichen Lebens, daher dieletzte Schlachtordnung desselben als ein Abschnitt in derStellungskunst das größte Interesse erregt. Wir geben

L) Harte a. a. O.