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1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
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stav gebildeten Grundsätzen; Gustav's Einrichtungen wur-den beibehalten, und sein Geist ruhte noch lange nach sei-nem Tode auf diesen.

Bei Nördlingen (1645) hatten die Kaiserlichen ihreArtillerie vortheilhast zur Vertheidigung des vor der Frontihrer Armee liegenden Dorfes Allerheim aufgestellt. Stattmit Geschütz griffen die Franzosen dieses Dorf mit ihrerInfanterie an, erlitten großen Verlust, und wurden zu-rückgeschlagen. Ohne den Tod des General Mercy wür-den die Kaiserlichen gewiß Sieger geblieben seyn; die Ar-tillerie hatte hier entschieden. Beim Angriff, welchen Tu-renne in eben dieser Schlacht gegen den rechten Flügelder Kaiserlichen machte, feuerte die deutsche Artillerie dreibis vier Mal, das letzte Mal mit Kartätschen, ehe dieInfanterie ein Mal feuern konnte *).

Indeß verschwand die große Anzahl Geschütze, welcheGustav eingeführt hatte, wieder; am meisten davon hattenoch Turenne nach seiner Vereinigung mit Wrangel (1646),nämlich bei einer Armee von 17,000 Mann 60 Geschütze;die Kaiserlichen aber, welche etwas stärker waren, hattenderen 50. Früher (1644 und 1645) hatte Turenne sel-ten über 15 bis 20 Stück. Nun endete durch den west-phälischen Frieden der 30 jährige Kampf.

Das Jahr 1672 brachte einen neuen Krieg zwischenFrankreich, dem Kaiser und dem deutschen Reiche. DieMontecuculi, die Conde und Turenne, tummelten sich aufdem Kampfplätze. Der Krieg zeichnete sich durch Märscheund Stellungen aus, die ein Feldherr dem andern abzu-gewinnen suchte. Frankreich verlor 1675 bei Sasbachseinen großen Turenne, welchen eine Stückkugel tödtete.Zu bemerken ist, daß das Artilleriefeuer noch immer sehrlangsam gewesen seyn mag, weil man das Geschütz kannte,welches Turenne tödtete, und der Markgraf Hermann von

I) Uernoire, lie Turenne, Tom. I.