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setzen konnte, und würde zugleich "Frankreich genöthiget haben, ihn nachdrücklicher zuunterstützen. Derm Jedermann inufste fühlen, dafs die Baiern mit nicht inehr als40000 Französischen Hüllstruppen nicht im Stande waren Wien zu belagern. DieseStadt hatte gemauerte Bollwerke alter Art, mit Ravelinen, einem tiefen Graben undbedecktem Wege. Eine Esplanade von ungefähr 150 Toisen Breite trennte diesenvonden Vorstädten, die durch die Menge darin befindlicher Palläste eben so schön alsweitläufig sind, uud auf der Seite der Geopoldstadt von der Donau bewässert werden.Uhregelmäfsige, jedoch einer guten Vertheidigung nicht unfähige Versclianzungen um-geben diese Vorstädte, so dafs die Epnschliefsung dieser Stadt die liier sehr breiteDonau mit begreifen, und sehr ausgedehnt werden müfste. Die Türken haben dieStadt zweimal ohne Erfolg mit 200000 Mann belagert.
Suleiman II. eröffnete am 27sten September 1529 die Laufgräben vor Wien, das da-mals noch seine alten Mauern, durch einen Erd-Wall und tiefen Graben gedeckt hatte.Weil jedoch das die Donau heraufkommende türkische Belagerungsgeschütz von demCommandanten von Presburg versenkt ward, und mehrere Stürme Suleimans abgeschlagenwurden, zog dieser bei Ankunft des Entsatzes unter Kaiser Karl V. Anführung am i4tenOctober ab.' Die Stadt ward nachher durch Bollwerke verstärkt, und so 1633 von denTürken belagert. Sie eröffneten unter dem Grofs-Vezir Cara Mustapha am 1 |tenJulius die Laufgräben, bildeten mehrere Angriffe, und legten eine grofse Anahl Bat-terieen an. Allein der Ort hatte eine zahlreiche Besatzung, die entschlossen sich auf dasAeufserste zu wehren,und eines Entsatzes gewifs war. Wirklich erschien Johann Sobles-ky, König von Pohlen, mit seinen Truppen anji uten September auf dem Kahlen Berge,griff am i2ten die Ungläubigen an, und zwang sie, nach einem kurzen Treffen, mitHinterlassung der Mahomeds-Fahne, T8ö Geschütze und des gröfsten Theiles ihres Ge-Gepäckes, sich über die Donau zurück zu ziehen. So widerstand diese Stadt in ihremgegenwärtigen Zustande 12 Monate lang •einer Armee von mehr als 200000 Mann;und so schlecht auch der Angriff geführt worden seyn mag , folgt doch immer daraus,dafs die Einnahme eines solchen Ortes nur durch eine Belagerung bewirkt werdenkann, die durch eine beträchtliche Beobachtungsarmee gedeckt ist.
Ein solches Unternehmen wäre demnach nicht mit weniger als 100000 Mann aus-führbar, von denen 30000 zur Belagerung bestimmt, und 70000 unterhalb Wien querüber die Donau aufgestellt würden, um dem Feinde überall entgegen zu gehn. DerKurfürst von Baiern aber hatte kaum 45000 Mann. Die Belagerung Wiens, deren Un-terlassung dem Kurfürsten vom vielen zum Vorwurf gemacht wird, war unmöglich.Allein, war die Eroberung Böhmens etwa leichter? Zwei Divisionen FranzösischeHtilfstruppen waren durch die Ober-Pfalz nach Pilsen gegangen, woraus bervorgehet,dafs der Kurfürst aa dem allgemeinen Plan einer Invasion nach Böhmen Theil nahm.
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