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Drittes Kapitel.
Ueber die Umrisse mit Bollwerken.
[ jie eben gegebene Uebersicht der Widerstandsfähigkeit der alten Mauern, sowohlvor als nach Erfindung des Pulvers, wird uns im Gegensatz mit dem Widerstandeunserer neuern Wälle seit Vaubans Zeiten in den Stand setzen, über den Werth ihrerVeränderung zu urtheilen.
Vor Erfindung des Pulvers fand eine Art von Gleichgewicht zwischen dem Angriffund der Vertheidigung statt, ja, abgesehen von dem Mangel an Unterhalt, war viel-mehr die letztere Jenem überlegen. Die hohen Mauern der damaligen Zeit gewähr-ten vor Einführung der Feuergeschütze den Vortheil, die Umgegend und die^Anschut-tungen und Thürme des Belagerers um so besser zu beherrschen. Gegen die Kanonenaber, die alles auf grofse Entfernungen niederschmetternf mufste man zuförderst bedachtseyn sie zu decken. War die Mauer durch ein blofses Glacis von Erde gedeckt,' dafssie nur erst am Rande des Grabens beschossen werden konnte, erhielt sie einen un-gleich hohem Werth. In allen Belagerungen , deren im vorhergehenden Kapitel ge-dacht wird, sind die Bresclibatterien gleich in den ersten Tagen der Einscliliefsung ange-leget, und Sturmlücken geöffnet worden, lange vorher ehe man mit den Laufgräbenbis an den- Grabenrand gekommen war.
Ein wesentlicher Mangel der alten Befestigungsweise lag darin, dafs sie nicht hin-reichend bestrichen war; die Flanken würden hier um so nützlicher gewesen seyn,als der Feind längere Zeit ihnen ausgesetzt war, ohne sie durch den Schleuderschufszerstören zu können. Er mufste den Graben füllen, mufste am Fufse der Mauern ver-'weilen, um sie zn fällen ; kein Wandelthurm würde der Wirkung längerer Flankenwiderstanden haben, als die Thürme darzubieten vermochten. Unsere jetzigen Boll-werke würden daher damals sehr nützlich gewesen seyn, weit vortheilhafter als gegen-wärtig, wo sie das keinesweges leisten was sie eigentlich sollen. Ihre Bestimmung ist:den Hauptwall zu bestreichen, die Fortschritte des Feindes zu hindern. Die Flankenaber vertheidigen Llos einen Baum, auf dem der Feind nicht verweilet, den Grabendurch den er blos zum Sturm geht. Nach der gegenwärtigen Belagerungswe-ise wirdder Wall durch die von den Flanken nicht erreichbaren, Breschbatterieen geöffnet. Ist