Buch 
Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
Entstehung
Seite
126
JPEG-Download
 

126

liegenden Wassermasse widerstehen, sobald sie ihn nicht durchdringt. Die Zerstörungdes Mauerwerks wird durch seine grofse Böschung beschleunigt, die zum Widerstandgegen den Erddruck nothwendig ist; denn letzterer würde die Mauer unfehlbar um .stürzen, wenn sie nicht die gehörig«? Dicke und Böschung hätte. Da nun die Böschunggegeben wird, um die Mauer oben schwächer machen zu können: läfst sie sich nichtabschaffen, ohne die Dicke, und dadurch auch die Baukosten bedeutend zu vermehren.Je gröfser aber die Böschung der Mauer ist, desto leichter wird sie von dem eindrin-genden Regen und den sich darin festsetzenden Pflanzen verdorben. Man giebt denEestungs- Wallen J- Höhe zur Böschung, folglich 5 Fufs, wenn die Mauer 30 Fufs hochund oben 5 Fufs dick ist (Tab. III. Fig. 2.) Die eben so hohen, freistehenden Mauerndürfen dagegen nur-^ der Höhe, oder 2| Zoll bekommen. Sie sind dann wie gewöhn-liche Mauern der Bürgerhäuser anzusehen, und man kann ihnen mit Grund eine ungleichlängere Dauerhaftigkeit zuschreiben, als den stark geböschten Futtermauern. Denn dakein Erddruck vorhanden ist, bedürfen sie auch keiner grofsen Böschung, und die bei-den Ursachen ihrer früheren Zerstörung fallen hinweg.

In Hinsicht der Verteidigung, so kann derBelagerer unmöglich durch die Sturmlückeder freistehenden Mauer Vordringen, ohne seine Flanken zu decken, die allerdings demSeitenangriffe blosgestellt sind. Eben so wenig kann er sich in den trocknen Gräbenversammeln und zum Angriff ausbreiten, unter dem, sich von allen Seiten kreuzendenFeuer der Kasematten und krenelirten Mauern. Es ist kaum zu begreifen, wie man der-gleichen Einwürfe aufbringen kann? Während die gewöhnliche Futtermauer dem Feindenichts als ihre Masse entgegen setzt, beschiefsen und zerstören die freistehenden kase-mattirten Mauern seine Bresch-Batterieen mit einer bedeutenden Menge, durch starkeGewölber vollkommen gedeckten Geschützes. Man mufs richtig schliefsen, öderes ganzunterlassen! So wie Gott die starken Bataillone schützt, so wird er auch immer daszahlreichere und am besten bedeckte Geschütz begünstigen.

Ein 24 Fufs hoher Erdwall, mit ■§ Böschung, ist übrigens nicht für Truppen ersteiglich,wenn sie auch kein anderes Hindernifs dabei, fänden: um so -weniger, wenn sie es untereinem lebhaften Flintenfeuer thun, und in gehöriger Stärke oben anlangen sollen, umdie Vertheidiger zü vertreiben. Wäre aber auch diese Erdböschung allenfalls zu er-steigen : wird man doch nie Geschütz darauf bringen können, ohne eine Auffahrt dazuvorzubereiten, die nur allein mit der Erde des obern Theiles der Brustwehr gemachtwerden kann. Bei dieser Arbeit mufs man sich, wie hei dem Uebergange über denGraben oder wie überhaupt bei jeder Sappe, durch eine nach und nach vorgetriebeneBrustw-ehr decken, unter dem fortwährenden Flankenfeuer des groben und kleinen Ge-schützes. Sollte Jemand es dennoch für möglich halten, einen solchen 24 Fufs hohenErdwall mit einer Angriffskolonne zu ersteigen: läfst sich dem leicht durch eine etwe

✓