hinreichend, ebenfalls nach der Erfahrung die mittlere Zeitdauer oder die Menge die-ser Umstände zu kennen, die sich mit dem physischen Hindernifs vereinigen können,um ihre Wirkungen mit vieler Wahrscheinlichkeit zu berechnen. Ist z. B. der Randeines breiten, 6 bis 8 Fufs tiefen Wassergrabens von einem Haufen Soldaten verthehdiget, welcher sich dem Uebergange widersetzt: findet man hier, nächst dem materiellenHindernifs der Ausfüllung des Grabens, oder der zu verfertigenden Brücke, noch den.moralischen Widerstand der Menschen welche sie vertheidigen. Die Dauer des - letztemhängt von ihrer gröfseren oder geringeren Standhaftigkeit, und von ihrer Anstrengung ab,den Uebergang zu wehren. Durch eine Menge Beispiele kennt man aber schon dieGröfse des Aufenthaltes, welche durch diese Verlheidigung in der Ueberschreitung desHindernisses lierbeigefübrt wird.“ v
24) Auf gleiche Art verhält siclis mit allen (Angrilfshandlungen gegen künstlicheHindernisse oder Befestigungswerke. Durch sehr viele Erfahrungen kennt manden Grad von eigentliümlicher Stärke, und die übrigen Vortheile der Befesti-gung, obgleich ihre andern Eigenschaften durch moralische Zufälligkeiten modificirCwerden.“ ' / •
2 $) »So wie alle vernünftigen Unternehmungen den Mitteln angemessen seynmüssen, welche uns zu Gebote stehen, hängt auch die Befestigung ganz von den zurAusführung vorhandenen Mitteln, in Beziehung auf den vorgesetzen Zweck, ab. Wfirdeein schwacher Haufen so nahe von einem stärkern Feinde verfolgt, dafs er in vier undzwanzig Stunden von ihm eingeholet werden kann: wäre es nutzlos, selbst unverstän-dig, gegen den Angriff ein Hindernifs lierbeischaffen zu wollen, das nur durch mehrereTage Arbeit in Vertheidigungsstand gesetzt werden kann. Man mufs sich mit einemguten Graben begnügen, wenn eS unmöglich ist eine tüchtige Mauer aufzuführen.Diese nothgedrungene Abhängigkeit von den physischen Mitteln, der wir bei allenunsern Unternehmungen unterworfen sind, bat einen so gewaltigen Einflufs auf ihreGröfse, und auf ihre Wirkung, dafs es ungereimt seyn würde, von unverhältnifsmäfsigenMitteln denselben, Erfolg zu erwarten. Der Gegenstand des Strebens aller Künste istzwar: die möglich gröfsten Wirkungen durch die geringsten Mittel hervorzubringen;allein, dies hat seine Grenzen! Die Kriegsbaukunst, wie alle andere, kann nur durchZeit 11 nd Materialien, oder durch Aufwand etwas^bewirken; offenbar ist sie aberum so vorzüglicher, je weniger sie von der,.einen und dem andern kostet," um nachUmständen denselben Erfolg hervorzubringen.“
„Dies führt uns auf einen sehr wichtigen Punkt: auf die Vergleichung ihrer Bau-werke, um ihren Werth zu bestimmen, und die vorzüglicheren auszuwählen.“