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Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
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sidfen bezahlt und das dafür seinem AI Hirten schlecht beigestanden batte; ging zuerstein Bündnifs mit Holland ein, dem die mehresten Deutschen Fürsten beitraten.

Zu den Ungeheuern Kriegskosten gesellte sich der nicht .geringere Aufwand fürHoffeste, für eine mit dem grössten Pomp und in Begleitung des ganzen Hofes ange~stellte Lustreise nach Flandern; für kostbare Bauwerke, und für prächtige Schauspiele*Der König hatte eine eigenthümliche Neigung zu den schönen Künsten, über die ersehr richtig urtheilte. Um ihn davon abzuziehen, veranstaltete Louvois immer neueKriegsrüstungen, Die Festungswerke vieler Plätze wurden vermehret und neue Festun-gen angeleget: Mont Louis in .den Pyrenäen, Hüningen im Elsafs, Fort Louis beiLauterburg, Landau und Piälzburg in den Voghesen. Colbert, um nicht zurück zustehen, setzte das Seewesen in .einen solchen Stand, wie es vorher noch nie gewesenwar. Schiffe wurden gebauet, die Häfen von Toulon und Brest vergrofsert, und grofseZeug- und Vorrathhäuser wurden angelegt.

Eine so grofse Land- -und 'Seemacht, .die man noch täglich vermehrte, mufste noth-wendig ganz Europa Besorgnifs einflöfsen. England schlo'fs deshalb mit Spanien iögo©inen Defensiv-Traktat. Die bei dem Reichstage zu Regensburg über die Vereini-gungskammern zu Metz und Breisacli geführten Klagen blieben jedoch ohne Erfolg,und der Minister glaubte .einen Gewallstreich ausfiihren zu dürfen.

. Strasburg hatte im vorigen Kriege oft gegen die versprochene Neutralität gesündi-get, hatte die Deutschen über seine Brücke gehen lassen, ihnen öfters-eine Zufluchtunter seinen-Wällen verstauet; so sehr dies auch die Französischen Armeen beein-trächtigte, dürfte man doch nichts gegen eine Reichsstadt unternehmen, ohne das Deut-sche Reich selbst .zu verletzen. Hierauf nahm jedoch Louvois keine Rücksicht, Ererscheint unerwartet.'mit'einem .Corps vor den Thoren der Stadt, die durchaus nichtim Stande war sichtr.u vertheidigen, .sondern .sich am 30, Septbr lögt unter Zusiche-rung ihrer-alten Privilegien an Frankreich übergab.

Am nemlichen Tage besetzten die Französischen Truppen Stadt und Gitad.elleGasel am Po: denn der Herzog von Mantua,: dem es immer am Gelde zu seinenVergnügungen fehlte., hatte von Lo,uvois eine bedeutende.Summe dafür genommen,

* Dieser Handel erregte jedoch in Italien gegründete Furcht, und machte dem Königeeben so viele Feinde, wie die Besitznahme von Strasburg in Deutschland. Au IhrerSpitze stand der Pabst Innozenz XI, der schon wegen der ihm versagten Regaliengegen Frankreich äufserst erhittert war.

Die Vereinigungskammern *) dehnten ihren.'Wirkungskreis immer weiter aus.

*) Diese beiden Gerichtshöfe waren errichtet worden, im Elsafs und den drei Bisthünuvn die derKrone heim gefallenen JLaudereien cinznziehen. Gegen ihre Aussprüche fand keine Appellation

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