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Der Prinz Eugen "begnügte sich tont diesem Versuche noch nicht. Unterrichtetvon der Nachlässigkeit, womit der Dienst in Cremona versehen ward, machte er denEntwurf diese Stadt zu überfallen, woselbst mit dem Hauptquartier 14 Bataillone und12 Schwadronen zur Besatzung lagen. 600 Mann kamen durch eine Wasserleitung in■das Haus eines -Geistlichen, der mit im Verständnifs war, und bemächtigten sich amI. Februar 1702 in der Nacht des unbewachten Margarethen-Thores, durch welches,nachher die schon bereitstehenden Truppen des Prinzen Eugen eindrangen. Eastzwölf Stunden lang war die Stadt in -ihrer Gewalt, nachdem sie gleich anfangs denMarschal V.illeroy mit dem grofsten Theile des Generalstabes zu Gefangenen ge-macht hatten. Zum Unglück für die Kaiserlichen hatte der Ritter Entragues das ersteBataillon des Regiments des Vaisseaux mit Anbruch de? Tages ausrücken lassen;mit diesem marschirte er auf den Hauptmarkt, wo er die da stehende Kaiserliche Ka-vallerie durch sein Feuer vertrieb, und sich, so gut es.angieng, verschanzte. Nachund nach stiefsen mehr Truppen zu .ihm, und der Prinz Eugen ward durch dis un-ausgesetzten Angriffe derselben endlich, genöthiget in der Nacht wieder abzuziehen,obgleich wegen; abgebrochner Po-Brücke der mit einem Französischen Corps zu Hülfekommende Prinz ’V a u d ein out nicht herüber konnte.
Es bleibt eine ewig denkwürdige Thatsache, dafs eine Stadt, von der mehr als dreiViertheile von einem überlegenen Feinde besetzt waren, blos durch die Tapferkeit ihrerBesatzung befreiet, und jener durch die ununterbrochenen Angriffe der letztem endlichwieder vertrieben wird. Ein schönes Beispiel für jede Besatzung, die nur eine Sturm-lücke zu vertheidigen hat, und der noch viele Hülfsmittel übrig bleiben,, so lange dieStrafstn der Stadt .noch in ihrer Gewalt sind. Wie viele Besatzungen sind aber einersolchen Entschlossenheit fähig? Nur zu oft fallen sie in den entgegengesetzten Feh-ler. *)
An Villeroi’s Stelle bekam der Herzog von Vendome den Oberbefehl in Ita-lien, und der Erfolg bewies dafs der König nichts bei dem Tausche verlohren hatte.Der n^ue General bemächtigte sich nach und nach aller Posten der Kaiserlichen, machtedie Besatzungen zu Gefangenen, und erzwang die Aufhebung der Blokade von Man-tua, woselbst er ein starkes Truppen Corps in einem verschanzten Lager aufsteilte. Derohnweit davon stehende Prinz Eugen verschanzte sich seinerseits ebenfalls, um denFranzösischen General zu beobachten, wagte es. a.ber nicht seine Unternehmungen zuhindern. Der Herzog von Vendome giepg nun mit dem Ueberreste der Armee
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Es wäre wohl überflüssig, den Leser hier an Saragossa und Gerona zu erinnern, die durch
ihre treffliche Verllieidigung sich vor allen belagerten Festungen auszeichnen.
Amiieik. d. Ucbers.