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hach Cremöna, dem Könige von Spanien Philipp- V. entgegen, zugleich in der Ab*sicht, es mit den Posten des Prinzen Eugen auf dem rechten Po-Ufer eben so zumachen wie mit denen- im Mantuanischen. Wirklich fiel er am 14,, July dem mit 400Mann Infanterie und 3 000 Pferden bei Vittoria stehenden General Visconti so raschauf den Leib, dafs dieser keine Zeit zur Besinnung hatte. Sein Detaschement wardgeworfen und zerstreut. Was nicht gefangen ward, ertrank ln dem Tessrno, über den*lie Kaiserlichen nur zwei Brücken hatten. Solche zufällige Gefechte, bei denen manden Augenblick benutzet-, bezeichnen den wahren Feldherrn. Wer dies nicht ist,tappt im Finstern-, Und die günstige Gelegenheit fliehet den Unentschlossenen, der nieden rechten Zeitpunkt findet: jener im Gegentheil, seinem Geiste vertrauend, benutztjeden Umstand, und führet oft das Gröfseste aus,-
Im Gefolge dieses Treffens fiel Reggio und Modena, und der Prinz Eugen waruothgedrungen seine Truppen zusammenzuziehen. Dadurch ward Mantua völlig frei-,jund der Herzog von Vendöme beschlofs Luzara hinwegzunehmen und daselbst eineBrücke über den Po zu schlagen. Weil der Prinz Eugen SGhon vörher daselbst an-gekommen war, begann am 15. August Abends um 6 Uhr noch ein hitziges Treffen,-das den Kaiserlichen 5000 und den Franzosen über 3000 Mann kostete. Die letzterenbehaupteten das Schlachtfeld, schlugen eine Brücke über den Po, und eroberten amfolgenden Tage Luzara, dem am 6. Septbr. auch Guastalla folgte.. Der Prinz Eugen[verschanzte sich auf Kanonenschufsweite vom Schlachtfelde; der Feldzug endete mitder Einnahme von Borgo forte.
Minder glücklich war der Feldzug in Flärldern.' Ludwig XIV“ hatte für gut ge-funden seine Truppen in Deutschland und Flandern während des vorigen Jahres un-thätig zu lassen, in der Hoffnung, die Reichslürsten dadurch abzuhalten auf die Seitedes Kaisers zu treten. Allein diese Schüchternheit, oder vielmehr diese Schwachheitdes königlichen Staatsrathes ward den Alliirten sehr nützlich; gerade sie bewog diekleinen Fürsten, sich gegen Frankreich zu erklären. Dies war eine natürliche Folgedes Hasses, der Rachsucht und der Empfindlichkeit über die vergangenen Ereignissesjedoch mehr noch der geglaubten Gewifsheit den König zu demüthigen, und sich inseine Staaten theilen zu können. Er hatte zwar in dem vorigen Kriege den vereintenKräften seiner Feinde Widerstand geleistet, aber auch alle -siine Kräfte dazu aufgebo-terr. Sie schienen nun erschöpft. Der Marschal von Luxemburg, von dem jederglückliche Erfolg ausgieng, war tod* Ein General Controllern-, Herr von Chamillard,als ein mittelinäfsiger Kopf bekannt, hatte durch die Gunst der Frau von Maintenonnoch das Kriegsdepartement bekommen. Der König fieng an alt zu werden, und Frauvon Maintenon leitete alles: zwar mit Verstand, doch zugleich mit mehr Rücksich-ten als gut war, Die Erhaltung des Königs lag ihr näher als die Erhaltung des