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Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
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Beihülfe Frankreichs seine Staaten nicht vertheidigen. Die dazu bestimmte Armeeunter Villars mufste zu dem .Ende durch die verschanzten und stark vertheidigtenEngpässe des Schwarzwaldes dringen. Dies war ihr aber um Feldzuge von -{702 nichtmöglich, ungeachtet "Villars durch seinen schnellen Rheinübergang die Schlacht beiFriedlingen gewann, wo der Prinz von Baden tl Kanonen und 35 Standarten ver-fahr. Dieser Sieg war merkwürdig, -weniger durch kluge Anordnungen welcheihn vorbereiteten, als durch Kühnheit des Marschal Villars. Kühnheit aber ist.die schönste Babe, welche die Natur dein -Soldaten -spenden kann. FürEinen Fall wo ein Fabius nützliche Dienste leistet, giebt es hundert wo ein : Ha-n-nibal nothwendig ist. Zudem ist Kühnheit nicht Verwegenheit, und schliefst die Klug-heit nicht aus. Man mufs einen wahrscheinlich glücklichen Erfolg voraussehen; eswird aber nicht fehlen ihn zu verwirklichen, wenn man nur das Höchste daran zuwagen weifs. Man ist kein Feldherr, sobald man sich im Angesicht des Feindes be-sinnt. Man .mufs ihn vermeiden, wenn man nicht schlagen will: .aber man mufs mitHeftigkeit auf ihn los stürzen, wenn man geschickt ist ihn anzugreifen. Hieraus folgtdie Notbwendigkeit einer Marschordnung, bei der man auch gleich schlagen kann ?sowie man ankommt. '

Villars hatte keinen andern Gewinn von diesem Siege als den'Marschalstab. DerPrinz von Baden zog 10000 Mann unter dein Grafen Styrum an sich, wodurch die-Vereinigung der Franzosen mit dem Kurfürsten von Bayern fürs erste unmöglich,ward. Erst im Feldzuge von 1703 ward sie durch eine Reihe gelungener Bewegungen die jedoch auch wohl mifslingen konnten bewerkstelliget. Wcälirend nemlich derKurfürst von Bayern' Neuburg und Regensburg einnahin, und die beiden seine Staa-ten bedrohenden Corps der Grafen von Schlick und Styrum schlug, gingVillars über den Rhein, erstieg die Linien und belagerte das Fort Kehl, dassich am 9. März ergab. Nachdem der Marschal seinen Truppen eine kleine Ruhe ge-gönnt, erst.ieg er mehrere Verschanzungen der Kaiserlichen im Schwarzwaide, und ver-einigte sich mit 47* Bataillonen, 60 Eskadronen und 45 Kanonen bei Duttlingen zu demKurfürsten von Bayern, der igi-oo Mann Infanterie und 5000 bis 6000 Pferde hatte.

D rei Entwürfe schwebten dem Kurfürsten vor, und machten ihn unschlüssig; einmal,mit seiner ganzen Macht Nürnberg zu belagern, und den Prinzen von Baden zu schla-gen wenn er es hindern wollte. Dadurch wäre der Krieg nach Franken und Schwabengespielt, liayern gedeckt, und die Fürsten jener beitlen Kreise vielleicht genöthiget wor-den die zugesagXe Neutralität zu halten. Der zweite Vorschlag hatte ein glänzenderesAnsehen: auf den Angriff von Pa6sau und Linz sollte ein Einbruch nach Ober-Oester-reich folgen. ^lan glaubte dadurch den Kaiser zum Frieden zwingen zu können. Nach,dem dritten Entwürfe sollte der Kurfürst nach Tirol gehen, daselbst ein Detascliement