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Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
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76
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Verfasser vollends unerschöpflich, und glebt mit der gröfsten Genauigkeit die Maafse derFegen, Flanken und Courtinen, so wie die GröLe der verschiedenen Winkel dieser Linienunter einander an. Sieht man, wie der Verfasser hier gegen jeden andern Winkel und ge-gen jede andere Länge der Lin'en eifert, um einen richtigen Umrifs mit Bollwerken zubekommen, so darf m;:n wohl sagen: Er hat blofs vergessen anzugeben, um wie vielStunden die Widerstandsdauer einer Festung verlängert werden kann, wenn der bestricheneWinkel des Bollwerks gröfser oder kleiner ist, wep die Flanken länger oder kürzer sind.Wir würden freilich uns schwer darüber vereinigen, weil ich gerade zu erklären mufs,dafs alle Flanken, gerade oder krumm, lang oder kurz, schräg oder nicht, gleichen Werthhaben, das heifst: Nichts zur Verteidigung des Hauptwalles beitragen. Sie sollen denUebergang über den Graben hindern: das haben sie aber in keiner einzigen Belagerunggethan. Vauban kannte ihren Werth in dieser Hinsicht sehr gut: denn er sagt: „es seyünnütz, eine Batterie in den bedecktest Weg zu legen, um die Flanke vonvorne zu bfeschiefsen; denn sobald die Rikoschetbatterien ihre Schuldig-keit thun, dürfe man kein Feuer von den Franken fürchten, weil wederGeschütz noch Menschen darauf stehen bleiben können.“ Dennoch verlangtman stets Flanken, denn ohne sie gäbe es ja keine Bollwerke!

Was sollen demnach diejenigen thun, deren .Neigung zu den Bollwerken mit ihremwirklichen Nutzen im Verhältnirs steht, wenn sie nicht durch die Flanke verteidigt wer-den können ? Sie werden Flanken und Bollwerke wegwerfen, mit sainmt den langenCourtinen, die bei der Verteidigung blofs ntüfsige Zuschauer abgeben.

Sobald aber die Flanken den Uebergang über den Graben nicht hindern können, läfstsich schliefsen, dafs ein Wall in gerader Linie denselben Widerstand leisten würde. DieGefahr vor dem feindlichen Minirer kommt nicht in Anschlag; Festungen mit Wasser-gräben dürfen ihn jniclit fürchten: und auch ohne die letztem werden sie denselben Wi-derstand leisten, weil der Feind immer gleich viel Zeit bedarf, es mögen nun Flanken daseyn oder nicht.' Wollte der Belagerer, anstatt Bresche auf die Futtermauer zu schiefsen,lieber den Minirer ausetzen, würde er sich nur aufhalten. Die Bresche wird durch dasGeschütz eher ersteiglich als durch die, Arbeit des Minirers, deren Fortschritte zum Ueber-Bufs durch Gegenminen lange gehindert werden können. Gegen die Brescb atterien hin-gegen vermag der Belagerte bei dem gegenwärtigen Zustande der Bollwerke Nichts. Liegtvollends ein kleines Ravelin, blofs von der gewöhnlichen Gröfse des Ravelins, vor jederSeite, darf der Feind sich nicht vor Eroberung desselben in den Graben wa^en. Mankann daher, ohne von. Vorartheilen regiert zu seyn, nicht behaupten, dafs eine solche Fe-stung bei weit geringeren Baukosten weniger Widerstand leisten wird, als wenn ihre Wall-linie in Fagen, Flanken und Courtinen gebrochen wäre.