Buch 
Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
Entstehung
Seite
97
JPEG-Download
 

97

leiten vermag *). Soll er durchaus das letztere thun, ist er nicht mehr Soldat, sondernein blofser Mauermeister. Er bedarf aber auch alsdann keiner Renntnifs der hohem Geo- •metrie und des Calculs; die gewöhnlichen arithmetischen Grundsätze sind für ihn hin-reichend.

Die Goschützkunst aber ist dem Ingenieur durchaus unentbehrlich; nur durch sie ver-mag er das Geschütz auE eine seiner höchsten Wirkung angemessene Weise aufzustellen.Wären die Ingenieure, welche die Forts auf der Insel Pelee und auf dem Felsen Hou-met bei Cherbourg anlegten, hinreichend mit ihr bekannt gewesen, so hätten sie inden Widerlagen ihrer Gewölbe die Durchgänge dergestalt angebracht, dafs sie das horizon-tale Richtfeld nicht beengten. Sie hätten ihre Schiefsscharten nach meiner Theorie ein-gerichtet: um mit der kleinsten Oeffnung das möglich grölste Richtfeld zuhaben.

Man mufs mit Erstaunen alle die Wissenschaften betrachten, mit denen man, nachjenen Schriften, vertraut seyn soll, um für einen guten Ingenieur zu gelten. Denn esläfst sich unmöglich voraussetzen, dafs man wirklich so viele verschiedenartige Kenntnissenöthig hat, wie der Brücken- und Strafsen - Baumeister. Der Ingenieur mufs vor allemFeldmesser seyn, mufs jedes Terrain schnell und sicher, mit und ohne Instrumente, auf-nehmen und treu darstellen können. Ein geprüftes Auge ist ihm, wie dem Jäger, unent-behrlich: von einem richtigen Ueberblick hängt fast immer der Erfolg der Schlachten ab.

Ich bin weit entfernt, die genaue Bekanntschaft mit einer solchen Menge Wissen-schaften nicht für sehr vortheilhaft zu halten; allein die Erfahrung lehrt, dafs man öftersgar nichts weifs, wenn man alles zu kennen glaubt. Es ist in der That schwer, die Noth-wendigkeit einzusehen, warum der Ingenieur einen Theil seiner Zeit darauf anwendensoll, die Chemie zu studiren und sich mit den Wahlverwandschaften zu beschäftigen. Esscheint mir daher sehr überflüssig, den Ingenieur in fast allen bekannten Künsten undWissenschaften zu unterrichten. Er vereinige alle bei den Armeebewegungen nöthigeKenntnisse! Er besitze die Theorie des Umrisses der Festnngswälle, und sey sehr geübtim Angriff derselben. Vorzüglich sey er mit der Feldverschanzungskunst vertraut, wo ge-genwärtig die ganze Wissenschaft blofs darinnen besteht, vertheidigungslose Reduten vonvier, fünf, sechs Seiten zu machen, mit unbestrichenen Gräben umschlossen. MuthvolleSoldaten können sich darinnen aufopfern, nie aber sich darinnen halten. Sie und die

*5 Kann wohl ein Kriegsbaumeister etwas Brauchbares über den Gewölbebau sagen, wenn ihmdas Verhalten dieses Baues bei seiner ersten Anlage, bei >-.m Austrocknen der .Materialien undin Hinsicht des Widerstandes gegen die feindlichen Geschosse unbekannt ist. Auch der so ver-dienstvolle Marquis von M o n ta 1 em b er t sündigt in seinen Vorschlägen öfters gegen dieErsten Grundsätze des Gewölbebaues, d. h. gegen die Möglichkeit der Ausführung.

Anmerkung des Uebersetzers.

JN

Vierter Band.