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geschehen! und für sich: gleichviel um welchen Preis! So machte es der Inge-nieur Filley, als man ihm auftrug die Insel Aix zq befestigen. Er entwarf eine präch-tige Festung nach seinem Systeme, das nicht Vaubans war, ob es gleich ebenfalls Boll-werke hatte; weil es ihm an Land fehlte, um sein Sechseck auszuführen, ging er rechtsund links in die See, ohne sich um den Aufwand zu bekümmern. Auch die Vertheidi-gung der Rhede — den Hauptzweck — hatte er bei Seite gesetzt, und sich auf eine un-bedeckte Batterie beschränkt, die mit vier, zwei oder Einer Kanone, auch wohl gar nichtnach den verschiedenen Ankerplätzen der Schilfe schiefsen konnte. Ich habe an einemandern Orte davon geredet, wie fehlerhaft es ist, für jedes Terrain eine und dieselbe Formfeatzuse'zen, da vielmehr die letztere durch die Ortslage bestimmt wird.
Sobald die zu befestigenden Lagen eingehende Winkel von sehr verschiedener Höhebilden, kann der Umfang nicht mehr als ein Kreisbogen gezogen werden. Filley be-folgte diesen Grundsatz nicht, sondern ging mit seinen Befestigongswerken b>8 in das tiefeMeer, und auf der andern Seite in einen bodenlosen Sumpf vor. So erforderte seine Fe-stung einen Raum von npjooo Quadrattoisen, und enthielt doch im Innern nür 58000.
Die Französischen Ingenieure haben eine lange Reihe von Jahren hindurch in Europaeinen grofsen Ruf gehabt, den sie doch wohl mehr ihrem glänzenden Muthe als ihrenKenntnissen verdankten. Nach Vaubans Beispiel umfaßten sie mit ihren Parallelen zweiDritlbeile der argegrilFenen Festungen, und durch diese den Scfyleuderschufs sehr begün-stigende Einrichtung vernichteten sie binnen wenigen Tagen das ganze Geschütz der Be-lagerten. Die Kühnheit, womit sie ihre Sappen so schnell Vortrieben, hat ihnen mit RechtgTofse Lobsprüche erworben: doch immer nur als tapfere und unternehmende Krieger beimAngriff.
In Absicht der Verteidigung hingegen sind sie noch immer da wo Vauban stehenblieb, der übrigens — abgesehen von allem Nationalstolze — bei so vielen von ihm er-baneten Wällen nichts seiner würdiges ausgefübrt hat. Man würde schwer oder garnicht die wahren Grundsätze auffinden die er befolgte, weil er nach keinem beständigverfuhr. Seine letzte Befestigungsweise mit Boll wer ks thür men ausgenommen, gleichtin Hinsicht der Verhältnisse der einzelnen Theile sowohl als ihrer gegenseitigen Lage keineseiner Festungen der andern. Wenn daher seine Nachfolger von Vaubans Manier reden,ist es ihnen unmöglich zu bestimmen, welche es eigentlich von allem dem ist, was er indieser Art-ausführen liefs. Es ist wirklich zum Erstaunen, dafs von einem verbesser-ten Vauban die Rede seyn kann, der als unübertreffliches Muster gelten soll. In demProgramm über den polytechnischen Unterricht der Centralschule heifst es aber, dafseine beurtlieilende Darstellung der vervoll kommten Vänban9chen Befestigungsartgegeben werden solle, unjl der ihr eigentümlichen Kasematten (?)• — Dennoch habendie Ingenieure stets behauptet, dafs die Kasematten nichts taugen, und deshalb einstimmig
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