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„bedarf. Auch Vatikan hatte keine eigenthü milche Befestigungsweise; bald„verlängerte bald verkürzte er die Fronten, die Bollwerksfacen, die Flanken u, s. w.“
Billig mufs man über eine solche Behauptung erstaunen, da gewifs kein Offizier imIngenieur-Corps ist^ der nicht darinnen ein Verdienst sucht, nach Vaubans Befesti-gungsweise zu bauen. In den Schulen lehrt man nur diese, und jeder behauptet sie ver-bessert zu haben: hier wird aber erklärt, dafs Vanban keine eigentümliche Befe-stigungsweise hatte. Man lehrt folglich Etwas, und man hat Etwas verbessert,was gar nicht da ist!
Text S. 93. „Der Hauptfehler der altern Umrisse liegt in der Kleinheit ihrer Boll-werke."
Nach den neuern Grundsätzen werden demnach die grofsen flachen Bollwerke mitsehr stumpfen Winkeln als eine Vollkommenheit angesehen. Weder Vanban noch Co-li orn haben einen solchen Uuirifs angegeben; Blondei und die Ingenieure seiner Zeit,mit denen er zu Rathe ging, verwarfen ihn. Ich habe mich schon oben (in den Bemer-kungen über das Tratte complet') über die Werke mit einem sehr grofsen innemRaume geäufsert, und ihre Nachtheile für die Vertheidigung gezeigt.
Text S. 95. „Aeufeerst selten wird eine Festung Ln einer vollkommenen Ebene an-gelegt. Der Boden ist gewöhnlich ungleich, und man mufs die Festungswerke diesen„Zufälligkeiten angemessen einrichten, um mit gleicher Arbeit einen eben so hohen Grad„von Widerstands vermögen hervor zu bringen, als ob sie in einer gleichförmigen Ebene„lägen. Dieser Theil der Ingenieurwissenschaft ist unerschöpflich. — Eine solche Festung„kann nur von einem unterrichteten und versuchten Ingenieur angelegt werden; auf glei-chem Boden hingegen kann sie ein blofser Maurer erbauen *).“
Hier wird eine Wahrheit zugestanden, die ich an mehreren Orten meines Werkesbehauptet habet dafs ein blofser Maurer eine Festung anlegen kann. Man setzt zwarhinzu: auf gleichem Boden; dieser Einschränkung aber bedarf es nicht: denn jeder
*) Nach RoTaberg (Versuch über die Befestigungskunst, Haag 1756, S. 91) ist unsere Befesti-gungsweise, die er die Französische nennt, nichts anders als Maurerarbeit. Er sagt: „Die„BollwerliSthürme von Neu- Breisach, ein sonderbares Bauwerk an Form, Vertheidigung„und Einrichtung, sind von dem Marschal Vauban so reich mit unnützem Mauerwerk aus-,,gestattet, dafs man sich Wundern mufs, warum dieser grofse Französische Ingenieur, der„selbst bei der Maurerarbeit aufgewachsen war, die Verhältnisse seines Meisterstückes nicht„besser eingerichtet hatte? Denn wozu soll wohl eitle solche Masse überflüssiger Steine„dienen?“ ■'—
Ferner Seite 93: „Da alle Franzosen dieselbe Meinung hegen, und von tiefer Achtung„gegen die Verdienste jenes Ingenieurs durchdrungen Sind, bedarf Frankreich nur solcher„Welke, die den Egyptischen Pyramiden gleichen.
Anmerkung des Verfassers.
Vierter Ban<*. J\
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