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Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
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grösserung der Ladung - über ein gewisses Maass hinaus, ohneWirkung auf Vermehrung der Anfangsgeschwindigkeit bleibt,aber dennoch in gleichem Maasse des W'aehsens auch zerstö-render auf das Geschützrohr wirkt, 1 eben so auch eine vergrösserteGeschwindigkeit des Verbrennens des lulvers, wenn sie einebestimmte Grenze übersteigt, sich nur noch in zerstörenderWirkung auf das Hohr, nicht mehr aber in Schussweite undPerkussion der Kugel ausspricht. Der Artillerist kann in dieserBeziehung noch manchen Schritt vorwärts thun, desto leichterwird dem Metallurgen das schwere Bemühen ihm zu genügen.

Um von den Explosionen nicht überwältigt zu werden,muss das Metall einen grossen Grad von Widerstandsfähigkeit(Kohäsion) haben. Diese Anforderung ist nicht gering ; dennnehmen wir mit Hansteen, William Moore und Huttonan, (lass die entwickelten Gase auch nur 2000 Atmosphären-druck äusserten, und dass sie dabei nicht stossweise wirkten,so giebt diess doch schon für jeden Quadratzoll der Seelenlläclie(so weit die Ladung liegt) 30,000 Pfund Druck. NachPrechtls Berechnung erzeugt das Pulver bei seiner Entzündungeinen Druck von 15,000 Atmosphären, also gar 225,000 Pfundauf den Quadratzoll. Hierbei ist noch auf die ungünstige Artder Pulverwirkung im Geschütz zu rechnen, nämlich aus derMitte eines hohlen Cylinders nach aussen, wodurch die Wider-standsfähigkeit auch' noch bedeutend verringert wird. Kohäsionallein, d. ln Zusammenhang der einzelnen Theilehen des Me-talls unter sich, ist aber nicht ausreichend, um der obigen Be-dingung zu entsprechen. Hat das Metall bei hinreichenderKohäsion einen gewissen Grad von Duktilität, so wird es vonder Gasausdehnung zwar nicht zerrissen werden, es wird ihraber nachgebeu und in dem vorliegenden Falle (in Rührenform)sich ausbauchen. Je grösser allmählich diese Ausbauchungwird, desto ungünstiger wird die Wirkung der gleichstarkenExplosion, so dass die Kohäsion der äussern Tlieile des Rohrsbei einer gewissen Ausbauchung- nicht mehr ausreicht und einAufreisscn von aussen nach innen eintrift. Das Metall mussdaher neben der hinreichenden Kohäsion auch eine so grosseSteifykeit haben, dass die Explosion die Tlieile des Metalles nichtblos nicht von einander reissen, sondern auch nicht an einanderverschieben, oder sie komprimiren uud ausdehnen kann.

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