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Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
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gossen ward, scheint man es auch zu Belagerungen angewandtzu haben. Auch die Kosaken hatten, wie Miethen anführt,zu Anfänge des vorigen Jahrhunderts eisernes, aber sehr schlech-tes Geschütz.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts machte man dieersten bedeutenden Fortschritte im Gusse des eisernen Ge-schützes. Der Giesser Maritz schaffte 1744 zu Strassburgbeim Bronzegeschütz den Kernguss ab, führte eine horizontaleBohrmaschine ein und wandte diese Prozedur, als er 1755 zumGeneral-Inspector der Eisengiessereien gemacht wurde, auchauf den Eisenguss an. Alle Uebelstände, die der Kern herb ei-geführt hatte, fielen daher wpg. Unter diesen war gewiss derbedeutendste die Nothwendigkeit, dem eisernen Geschütz einengrossen Spielraum geben zu müssen, weil die Kerne hier gleichden richtigen Durchmesser der Seele erhalten mussten, indemdie damals üblichen Bohrer das Eisen nicht schnitten, und einAusschlichten also nicht möglich war; man war daher gezwun-gen, den grössten Vortheil des eisernen Geschützes, den Spiel-raum mehr als beim bronzenen verringern zu können, aufzu-geben. Für diesen Nachtheil trat aber ein anderer ein, näm-lich das Trachten nach einem möglichst grauen weichen Ei-gen ; theils weil auch die Bohrmaschine, die Maritz einge-führt, das harte Eisen nicht schnitt, theils weil die Geschützeabgedreht werden sollten, und theils endlich, weil Maritzglaubte, ein weiches Eisen habe auch viel Kohäsion, ein Glau-be, der in einigen Ländern noch bis auf den heutigen Tag be-steht, obwohl die Erfahrung das Gegentheil auf das Bestimm-teste erwiesen.

Die Güsse wurden nun wirklich um Vieles grauer, als siees, so lange man über den Kern goss, hatten sein dürfen, dabei dieser Giessmethode das sehr weiche Eisen sehr viel Gal-len erzeugte. Maritz liess es sich sehr angelegen sein, einrecht'weiches Eisen zu erhalten, und manche Hütten, z. B.Nonee in der Bretagne, waren gar nicht im Stande es so w r eichzu liefern, als er es verlangte.

Der Marquis von Montalembert, der grosse Hüt-tenwerke in Angoumois und Perigord besass, erkannte diesenUebelstand sehr richtig; er hatte schon 1752 massiv - eiserne,und zwar harte Geschütze gogossen, und es war ihm geglückt,