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Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
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eingerichtet, das Geschütz sank in einem Schlitten herab, derBohrer ward durch Pferdekraft gedreht, in vielen Giessereienzog man aber die Anwendung von Menscheukraft vor, um dieGeschwindigkeit des Bohrers der Stärke des Schnittes besseranpassen zu können. Die Bohrköpfe waren jetzt für kleinereKaliber 4-, für grössere 6schneidig. Bei Wurfgeschützenwurde nur die Kammer ausgebohrt. Schon im Jahre 1713soll Maritz, ein Genfer Schmied in Frankreich, das erste mas-sive Geschütz gegossen und es mit einer vertikalen Bohrma-schine ausgebohrt haben. 1730 ahmten diess die GebrüderKeller nach, schnitten aber die Seele auf einmal als Cylinderheraus. 1729 erfand Maritz seine horizontale Bohrmaschine,die 1734 in Lyon im geheimen versucht wurde. 1739 ver-suchte man zum Vergleiche ebenda die Kellersche Maschi-ne, die aber bei weitem ungünstigere Resultate gab, als dievon Maritz. Da die französischen Artillerieoffiziere sich sehrentschieden gegen diese neue Gussmethode erklärten, indem sieglaubten, dass sie unhaltbare Geschütze liefern werde, und auchdie Giesser eingestanden, dass die Methode reinere, aber nichtbessere Geschütze gebe, so stellte man 1740 mit mehreren Ge-schützen dieser Art Schiessversuche an, wo sie zwar genü-gende Haltbarkeit zeigten (s. unten), doch war auf den An-trag der Giesser die Probeladung vermindert worden. Man rich-tete nun die Maritzshe Bohrmaschine in Douay ein undhielt sie sehr geheim. Als das Gussverfahren 1748 auch aufdie Mörser ausgedehnt wurde, erklärten sich die Artillerieof-fiziere von neuem dagegen. 1756 wurde das neue Giessver-fahren auch nach Holland und Preussen verpflanzt, jedoch be-diente man sich hier noch lange der vertikalen Maschinen,während es in Holland schon 1758 Eingang fand. Die Bohr-maschine erlitt mehrere Veränderungen, die auf die Güte desGeschützes keinen Einfluss hatten, weshalb ich sie übergehe.Eine neuere Prozedur ist nur noch zu erwähnen, nämlich die1824 in Frankreich angeordnete, dass die Geschütze mit einernur 10 Punkte unter dem normalen Durchmesser weiten Seeleprobirt und erst nach der Probe völlig ausgebohrt werden. Esscheint, als glaube man, durch den Druck und die Anschlägebeim Probiren die Seelenwand mehr zu verdichten. Ob dieseAnsicht sich auf Versuche stützt, konnte ich nicht ermitteln.