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Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
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67
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weise angewandte Kastenformerei mit einem bindenden Sandeauch auf den Bronzeguss anzuwenden. Diese Methode hatseitdem in vielen Giessereien, z. B. seit 1813 in Russland,Eingang gefunden, und obwohl an einigen Orten, wo zudünne und rasch leitende Formen der Art angewendetwurden, der Guss misslang, weil das Metall beim Er-starren oben heraus gepresst wurde, so hat sich diese Form-methode doch bei zweckmässiger Prozedur sehr bewährt, na-mentlich seit man sich, wie diess in Oestreich seit 1825 ge-schieht, statt des immer zu stark wärmeleitenden Sandes, dersogenannten Charmottemasse bedient. In Bezug auf Zeit undKosten zeigte sich die Sandformerei bei Versuchen in Ludwigs-burg (1818) viel vortheilhafter als die ältere in Lehm.

Die Oefen zum Schmelzen des Bronzes beschreibt Mie-then 1684 genau so, wie sie noch heute in den französischenund den meisten Giessereien üblich sind. 1785 machte man inFrammont in Frankreich den ersten Versuch, Flammöfen, wiesie kurz zuvor zum Umschmelzen des Eisens eingeführt wor-den, zum Bronzegeschützguss anzuwenden. Man wiederholteden Versuch 1793, wie es scheint mit Glück. In Oestreichund einigen andern süddeutschen Giessereien ist seit kurzemein dem zum Eisenschmelzen bestimmten Flammofen analogerzum Bronzeguss eingeführt (s. unten).

Das Bohren der Bronzegeschütze wurde schon im Beginndes 16. Jahrhunderts eingeführt; es beschränkte sich anfangsauf ein blosses Ausschlichten der vor dem Kern gelassnen rau-hen Seelenlläche. Der Kern wurde, sobald das Geschütz er-kaltet war, noch in der Dammgrube mit einer Winde aus demGeschütz gedreht, wobei er nicht selten abbrach und das Ge-schütz unbrauchbar machte. Man legte das vom Kern befreiteGeschütz horizontal, schnitt den verlornen Kopf ab und brachteeinen Bohrkolben mit zwei Schneiden, der durch ein Trittradbewegt wurde, ein. 1589 war ein eignes solches Geschütz-bohrwerk bei der Ulmer Giesserei. 1598 wandte man schon4 verschiedene Bohrer zum Schlichten der Seele und einenBodenbohrer an. Die Geschütze wurden dabei oft absichtlichhinten wegen Gallen weiter ausgebohrt als an der Mündung,um sie stärker im Metall erscheinen zu lassen. Zu Ende des17ten Jahrhunderts hatte man diese Bohrmaschinen vertikal

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