Buch 
Erfahrungen über Fabrikation und Haltbarkeit des eisernen und bronzenen Geschützes / gesammelt von Dr. Moritz Meyer
Entstehung
Seite
127
JPEG-Download
 

m

so dass, bei gleichen Dimensionen, das Eisen in der Lehmformlänger flüssig - bleibt, als in der Sandform. Diess ist von gros-ser Wichtigkeit, denn je länger diess Statt hat, desto längerwirkt der Druck des verlornen Kopfs, desto dichter wird alsodas Eisen; man sieht sehr deutlich, um wie viel tiefer in lang-sam erkalteten Güssen die obere Fläche des verlornen Kopfeseinsinkt, als bei rasch erstarrenden. Auch ist das spezifischeGewicht des Eisens im erstem Falle etwas grösser.

Es sei erlaubt, diesen Gegenstand von dem theoretischenGesichtspunkte zu betrachten, und es wird uns dann deutlicherwerden, was hier zu erstreben sei. Es sei ein Geschütz ineine möglichst wenig leitende Form gegossen, so dass seineAbkühlung möglichst regelmässig fortschreitet, so wird dieErkältung von aussen anfangen und an allen Theilen in glei-chen Zeiten ziemlich gleich starke l'estwerdende Schichten vonaussen nach innen ablagern. Vereinigen sich diese Schichtenendlich am dünnsten Theile des Geschützes, am Bändchen desKopfes, so wird alle fernere Einwirkung des verlornen Kopfesauf den nun noch flüssigen Theil des Geschützes aufhören; dieGrösse dieses noch flüssigen Theils erhalten wir, wenn wirvon der ganzen Geschützstärke überall und ringsum den hal-ben Durchmesser des Bändchens am Kopf abziehen. Am Bo-den des Geschützes, da also, wo es am meisten des dichtenMetalls bedarf, wird die grösste Masse unkomprimirtes Metallbleiben. Diess lässt sich leider auf keine Weise ganz vermei-den, wenn man nicht das Geschütz cylindrisch giessen unddann auf die erforderliche Gestalt abdrehen will. Da aber einTheil des Geschützes hinten ohnehin ausgebohrt wird, und esauf dessen Dichtigkeit nicht ankommt, so würde dieser Uebel-stand des zu frühen Unwirksamwerdens des verlornen Kopfesschon unschädlich werden, wenn man den dünnsten Theil desGeschützes um so viel verstärkte, dass er nur um einen Ka-liber geringeren Durchmesser hat, als das Bodenstück. Neh-men wir z. B. an, dass eine Kanone, deren Kaliber 5,50 ist,am Bodenstück 1%, am Bändchen am Kopf y a Kaliber Me-tallstärke haben sollte, so würde man, da hiernach das Boden-stück 19,24" im Durchmesser erhält, das Geschütz am Bänd-chen 13,74" (19,24 5,50) also 2,74" stärker machen müs-sen, als es im fertigen Geschütze ist, und diese dann abdre-