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2 (1824) Zweiter Theil / von W. von Grevenitz
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Zur guten Marschdisciplin einer Batterie gehört ferner,daß bei der Fußartillerie die Bedienung eines Geschützesnicht von einem zum andern läuft; dieses macht die Leuteohne Ursache müde. Der Artillerist eines jeden Geschützesdarf sich nicht über die Vorderpferde, noch die Mündungdesselben entfernen, noch weniger aber darf man erlauben,daß die Kanoniere sogenannte Fuß- oder Richtwege, welchefast immer seitwärts der Straßen um Berge herum näherführen, marschiren, indem sie dann gerade fehlen, wennam Berge eine schwierige Stelle zu überwinden ist. Es

dem Verfasser der Fall vorgekommen, daß in Schlachte»,selbst bei sechsstündiger fortwährender Anstrengung, ein Ar-tillerist ermattet wäre. Der Mensch kann viel leisten!man verbanne nur alles, was den Soldaten ohne Zweck er-müdet, und sorge für ihn, so spornt er gewiß fortwährend alleseine Kräfte an, ohne Ermüdung zu fühle». s

Unter keinen Umständen darf man es erlauben, daß sichArtilleristen, wenn sie auch wirklich marode sind, auf Kanonenoder Wagen setzen. Wo man dieses ein Mal erlaubt, wird esbald zur Gewohnheit werden, und veranlassen, daß die Kano-niere keine Strapazen ertragen lernen, und die Pferde leiden.

Der Kanonier dünkt steh dann bald müde, und der brave Ar-tillerist, der vielleicht ohne diese Erlaubniß nicht daran gedachthätte, thut eS aus Neid nun auch, und es wird bald mehr alsdie Hälfte der Mannschaft gefahren werden müssen. Jeden Ar-tilleristen, welcher scheinbar oder wirklich marode wird, lasseman nur zurück, und sorge, daß er von der Bagage aufgenom-men wird, so wird man bald selbst bei den angestrengtestenMärschen und Beschwerlichkeiten keine Marode haben. Erfah-rung spricht dafür. Der Soldat, welcher mit der Bagage nach-kommt, erreicht viel später das Kantonnement oder den Lager-platz, findet seine Kameraden bereits genährt und gesättigt, rwährend er selbst nichts zu essen hat. Ist von ihm ein Maldiese Erfahrung gemacht worden, so wird er gewiß nicht sobaldwieder marode werden. An schlechten Subjekten, welche sschvielleicht bei der vermutheten Nahe eines Gefechts marode stel-len, ist nichts gelegen; man wirke nur stets auf die Ehre; esfehlt dann an nichts, wo wahre Tapferkeit da ist.

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