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[Ausführliches Handbuch der Eisenhüttenkunde I] / von John Percy ; bearbeitet von Dr. Hermann Wedding
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Schmiedbares Eisen aus Erz.

Zuweilen kommt es vor, dass die Masse einer beginnenden Schmelzungunterlegen hatte und dann fest an den Bodenstein anhängt, dann lässt manden Ofen abkühlen und entfernt die Masse auf die bestmögliche Weise.

Diese Operation muss sehr schwierig gewesen sein. Jars giebt einegenaue Beschreibung davon, wie sie zu Eisenerz ausgeführt wurde, woman den Wolf mit grossen Zangen packte und mit Ketten, die an einermit dem Wasserrad verbundenen stehenden Walze befestigt wurden,herauszog.

Die Eisenmasse, welche, wie bereits gesagt, gewöhnlich Stück oderWolf genannt wurde, erhielt in einigen Gegenden auch die NamenMaass oder Guss, sie war nach Karsten meistentheils von etwas flüs-sigem Roheisen umgeben, welches man in Steyermark Graglach nannte.

Sobald der Wolf herausgezogen war, wurde er mit einer grossen MengeHolzkohlenstaub bedeckt, um ihn vor oberflächlicher Oxydation durchdie atmosphärische Luft zu schützen und ihn heiss zu erhalten. Erkam darauf unter den Hammer, welcher zuerst nur langsam schlagendurfte, und wurde zu einem runden 3 bis 4 Zoll starken Kuchen bearbeitetund dieser in zwei ziemlich gleiche Theile zerschroten), welche -wiederin kleinere Stücke getheilt und zu Stäben iu gewöhnlicher Weise aus-gereckt -wurden. Acht Leute waren für die Operationen des Zängens,Zerschrotens u. s. w. erforderlich.

Zu Eisenerz wurde, nach Jars, die Luppe zuerst von zwei Arbeiternin zwei gleiche Hälften vermittelst eben so vieler Setzeisen zertheilt unddann vollständig mit Hülfe von Keilen und grossen Hämmern zerschroten.

Ein Wolf wog im Schmalkaldischen zwischen 4 und 6 Centnerund erfor-derte zu seiner Herstellung 216 bis 234 Cubikfuss Holzkohlen. Im Durch-schnitt wurden drei solche Wölfe im Tage, d. h. 60 bis 70 Ctr. wöchent-lich dargestellt. Bei einem der beschriebenen Oefen waren drei Arbeiterzu gleicher Zeit in achtstündigen Schichten (Arbeitszeiten, shi/ts) beschäf-tigt. Sonntags ruhte die Arbeit. Zu Eisenerz wurde ein weit schwerererWolf erzeugt, welcher zwischen 13 und 14 Centner wog, aber das Gestell( hcarth ) des Ofens war auch viel weiter, nämlich 4 Fuss breit und 2 V 2Fuss tief in der Formhöhe. Nebenbei erhielt man noch 6 bis 7 CentnerEisen, welches, nach Jars, aus dem Ofen floss, daher Roheisen oder Stahlwar. Es wurden also 20 Centner Eisen und Stahl im Ganzen bei einereinzigen Schmelzoperation gewonnen und letztere dauerte 18 Stunden,wovon 15 auf die Metalldarstellung, 3 auf das Ausräumen des Wolfs,dessen Zertheilung und die Vorrichtung des Ofens für die nächste Chargeverwendet wurden. Diese Vorrichtung des Ofens bestand in dessen Rei-nigung, der Ausbesserung des Gestells und der Bedeckung des Bodens

') Nach Quantz (op. cit. p. 36) wurden diese Theile Stücke genannt undgaben dem Ofen den Namen, während das Ganze Guss hiess, ein unpassenderName, da keine eigentliche Schmelzung stattgefunden hatte. Nach anderen Metal-lurgen wurde aber das Ganze Stück genannt, und in diesem Falle leitet sichauch der Name des Ofens weit natürlicher ab.