Emplastrani Plumbi simplex. 331
Die Glycyloxydschwefelsäure entsteht nur, wenn man concentrirte Schwe-felsäure mit Oelsiiss in Berührung bringt. Beide mischen sich ohne Färbung,aber unter beträchtlicher Temperaturerhöhung. Das erkaltete Gemisch wird,genau wie bei der Aetherschwefelsäure, mit Kalk saturirt., filtrirt, das Fil-trat durch Abdampfen concentrirt und das Kalksalz krystallisirt. Niemals gehtalle Schwefelsäure in die Verbindung über, sondern ein grosser Theil, welcherwasserentziehend wirkt, bleibt gemeine Schwefelsäure und geht mit Kalk zuGyps zusammen. Der übrige Theil wird mit dem Oelsüss amidisirt, d. h. beidebilden ein Atom Wasser, wovon die Schwefelsäure den Sauerstoff, das Oelsüssden Wasserstoff hergiebt. und sie treten nun zu einem neuen Körper zusam-men, in welchem man entweder Unterschwefelsäure annehmen kann, oder denman auch als Ganzes für eine complexe chemische Verbindung von saurer Na-tur halten kann.
Die empirische Formel der Glycyloxydschwefelsäure, wie sie im Kalksalzevorhanden ist, wurde zu 0 6 H 7 0„ -f- 2SO„ gefunden. Das natürliche Glyce-rin soll aber das Hydrat von C 6 H- 0 3 sein, indem dieser letztere Körper fürsich gar nicht, sondern nur in den Fetten und seinen Salzen mit Schwefelsäurevorkommt. Demnach ist das wirkliche Glycerin C 6 11,0., -f- HO oder richtigerC 8 H„ 0 4 , da durch gar Nichts bewiesen ist, dass dieses Wasser als solches schongebildet ist und nicht erst durch Zersetzung entsteht, Wir müssen die Bildungder Glycyloxydschwefelsäure ganz anders erklären, um sie mit den Reactions-erscheinungen in Einklang zu bringen. Wenn 1 Atom Glycerin C 6 H 8 O, und2 Atome Schwefelsäure unter Einwirkung der wasserentziehenden Kraft eineranderen grossen Menge Schwefelsäure mit einander in Berührung kommen, sotritt 1 Atom Sauerstoff von den 2S0„ = S 2 0„ mit 1 Atom Wasserstoff desGlycerins zu Wasser zusammen und wird von der gemeinen Schwefelsäure auf-genommen; die übrig bleibenden Körper vereinigen sich zu der neuen Säure.Die Glycyloxydschwefelsäure sättigt wie Unterschwefelsäure, Aetherschwefelsäurenur 1 Atom Basis, weil sie nur S s 0 5 und nicht S ä 0„ enthält. Es kann darausaus denselben Gründen, wie beim Aetber, nicht auf die basische Natur des or-ganischen Körpers geschlossen werden.
C 6 H„0 4 + S,0. = (C,I1 7 0 4 + 8,0,) -f HO.
Diese Ansicht erklärt, warum die Bildung der neuen Säure nur mit con-centrirter und nicht mit verdünnter Schwefelsäure vor sich geht, sie erklärt,warum die neue Säure und ihre Salze mit Barytsalzen die gewöhnliche Reac-tion versagen; sie erklärt, warum durch Wasserzutritt wieder gemeine Schwe-felsäure und Glycerin auftreten können; endlich behält sie die empirische For-mel bei Die Verbindung des Glycyloxyds mit der starken Schwefelsäure ist imhöchsten Grade leicht zersetzbar; und jene mit den schwachen Fettsäuren in dennatürlichen Fetten ist so constant. dass sie tagelang der Wirkung von Alkali,Wasser und Wärme widersteht. Dieser Widerspruch verschwindet, wenn manannimmt, dass beide Körper keine Aehnliehkeit mit einander haben, das Gly*cyloxyrl kein basischer Körper ist, und dass er sich nicht fertig in den natürli-chen Fetten befindet,
Die Annahme, das Glycerin (C 6 H a 0 4 ) als ein Hydrat von C 6 H ? 0 3 an-zusehen , ist demnach ganz willkürlich, ebenso jene fernere, die BestandtheileC 6 II. als ein Radical, Glycyl genannt, aufzustellen, durchaus unbegründetund unhaltbar, da in diesem Körper der Sauerstoff noch nicht einmal gegenChlor, Jod, Brom, Cyan ausgetauscht werden kann. Es ist keine Veranlassung,Gründe dagegen aufzustellen, da man keine dafür aufgestellt hat, noch auf-stellen kann.
Die Theorie der Seifenbildung liefe demnach auf das Folgende hinaus.