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Commentar zur Preussischen Pharmacopoe : nebst Uebersetzung des Textes : für Apotheker, Aerzte und Medicinal-Beamte / nach der sechsten Auflage der Pharmacopoea Borussica bearbeitet von Friedrich Mohr
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386
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386 Ferro-Kalium cyanatum flavura.

so ist der Schluss gerechtfertigt, dass in der Schmelze kein Blutlaugensalz vor-handen ist, und dass das Cyankalium sich erst nachher in dieses Salz ver-wandelt. Wenn man aber die weingeistige Lösung mit dem ausgewaschenenRückstände und mit Wasser digerirt, so färbt sich die Flüssigkeit gelb, indemdas Cyankalium in Cyaneisenkalium übergeht. Es verwandelt sich also erstbeim Lösen und Digeriren der Schmelze in Cyaneisenkalium. Hierzu trägtnach der oben angegebenen Bildungsweise theils das metallische Eisen in derSchmelze bei, theils das darin enthaltene Schwefeleisen, welches dadurch gebildetwird, dass die 12 bis 16 Procente schwefelsaures Kali, welche in der Pottaschevorzukommen pflegen, durch die Kohle zu Schwefelkalium reducirt werden,welches dann sowohl mit der beigemengten Eisenfeile, als mit dem Eisen derSchmelzgelasse, die daher durch 10 bis 12 Schmelzungen durchlöchert werden,das leichtschmelzbare, sich in der ganzen Masse vertheilende Schwefeleisenkaliumerzeugt. Da es meistens an Eisen fehlt, um alles Cyankalium in Cyaneisen-kalium zu verwandeln, und also viel Cyankalium in der Lösung bleibt, welchesbeim Abdampfen in Ammoniak und ameisensaures Ammoniak zerfällt, so erhältman statt 30 bis 35 Procent Blutlaugensalz, die man erhalten sollte, höchstensbloss 15 Procent. Man füge daher der wässerigen Lösung der Schmelze nochmetallisches Eisen oder Schwefeleisen hinzu, oder man versetze sie während desKochens mit schwefelsaurem Eisenoxydul, bis der schwarze Niederschlag vonSchwefeleisen, vorn Schwefelkalium herrührend, bleibend zu werden anfängt.Die Mutterlauge enthält-alsdann schwefelsaures Kali und Schwefelkalium.

Kein praktischer Zweig der technischen Chemie hat auf einmal durch An-wendung der theoretischen Grundsätze der Wissenschaft und der Hülfsmittel inder Untersuchung einen so grossen Vorschub erhalten, als dieser Fabrikations-zweig durch die Entdeckungen Liebigs in diesem Fache. Man lernte erstrecht den wirklichen Standpunkt im Vergleiche zu dem erreichbaren kennen.Man schloss die ungünstigen Bedingungen, Zutritt von Luft, aus, und gewährtedie nothwendigen in genügender Ausdehnung, wie es die Theorie erforderte.Der Erfolg war im höchsten Grade befriedigend.

Eine andere Bereitungsweise des Blutlaugensalzes, wobei der Stickstoff ausder atmosphärischen Luft gewonnen wird, ist in neuerer Zeit erfunden und inAusübung gebracht worden. Clark *) in Aberdeen hatte schon im Jahre 1837bemerkt, dass sich bei dem Hochofenprocess aus Rissen am Ofen ein Salz inflüssiger Gestalt ausscheide, welches er als ein Gemenge von beinahe gleichvielCyankalium und kohlensaurem Kali erkannte. Später hat Bunsen nachgewie-sen, dass in der Weissglühhitze der Stickstoff sich mit Kohlenstoff verbindet,wenn feuerbeständige Alkalien vorhanden sind. Dieses mit der Natur des Stick-stoffs und seinem sonstigen chemischen Verhalten so sehr im Widerspruchstehende Factum fand, trotz der hohen Autorität Bunsens und seiner über-zeugenden Versuche, noch immer Ungläubige, und Ricken **) unterwarf eseiner neuen Prüfung. Er konnte die Thatsache nur bestätigen, den BeweisenBunsens aber nichts hinzufügen, so dass das Factum jetzt über jeden Zweifelerhaben steht. Es heisst, dass in England nach diesem Verfahren Blutlaugen-salz fabrikmässig bereitet werde; es ist mir jedoch nicht bekannt, ob man damitfortfahre, oder ob die Fabrikation als nicht praktisch wieder aufgegeben wor-den sei.

Das Blutlaugensalz wird durch Uinkrystallisiren gereinigt. SchwefelsauresKali krystallisirt sehr leicht mit demselben und es muss das zu pharmaceutischen

*) Poggendorff's Annalen 40, 315; Annal. der Pharm. 24, 177.

**) Annal. der Pharm. 70 ,77.