394 Ferrum hydricum.
bei gelinder Wärme und der Bedingung des Kohlensäuregehaltes. Die Methodeist auch im Ganzen richtig.
Der Eisenvitriol wird gelöst und filtrirt, und mit einer Lösung von kohlen-saurem Natron in Wasser gefällt. Es ist hierbei übersehen worden, dass dieFällung im heissen Zustande der Flüssigkeiten oder im Sieden geschehen soll.Ohne diese Vorsicht wird der Niederschlag zu locker, schliesst zu viel Flüssig-keit ein, lässt sich schwieriger auswaschen und ist durch das Zusammentretendieser Umstände sehr der Oxydation ausgesetzt. Wenn er hingegen im Kochengefällt wurde und noch eine Zeit lang in der kochenden Flüssigkeit herum-getrieben ist, so wird er ohne Veränderung der Farbe dichter, schwerer, setztsich leichter ab und lässt sich ungleich leichter auswaschen. Selbst ohne denVortheil, den diese Methode auf die chemischen Eigenschaften des Präparateshat, ist schon der äussere mechanische Gewinn eines kleineren Volums undeines viel leichteren, kürzeren und vollständigeren Auswaschens hinreichend, derheissen Fällung das Wort zu reden. In jedem Falle wird ein weit leichter un-veränderlich haltbares Präparat erhalten. Da das kohlensaure Eisenoxydul viellöslicher in schwachen Säuren ist, als das Eisenoxydhydrat, so muss es Zweckdes Präparanten bleiben, diesen Körper im kohlensauren und haltbaren Zustandedarzustellen, wozu die Erfahrung und Wissenschaft genügende Mittel darbieten.
Man führt die Arbeit zweckmässig in der folgenden Art aus. Man löse17 Unzen krystallisirtes kohlensaures Natron in 4 Pfund Wasser auf, colire siedurch Leinen und bringe die Flüssigkeit in einem gusseisernen Grapsn in’sKochen. Das Gefass wird nicht im Geringsten angegriffen, weil immer einUeberschuss von kohlensaurem Natrom vorhanden ist. Nun bringe man 10 Un-zen reinen Eisenvitriol in Krystallen nach und nach in die kochende Natron-lösung und lasse jedesmal abbrausen. Es entsteht ein weisser, in den meistenFällen von einem kleinen Oxydgehalte etwas grünlicher Niederschlag von koh-lensaurem Eisenoxydul und Oxydulhydrat, der durch Kochen keine Veränderungerleidet und sich leicht aus der kochenden Flüssigkeit absetzt. Man bringt ihnauf ein leinenes Colatorium oder in einen leinenen Sack, und süsst mit kochend-heissem Wasser rasch aus, mit der Vorsicht, das Wasser nie ganz ablaufen undden Niederschlag trocken werden zu lassen. Sobald das ablaufende Wasserkeine merkliche Reaction mit Barytsalzen giebt, lässt man ganz ablaufen, schlägtdie Zipfel des Colatoriums zusammen, bindet dieses oben mit starkem Bindfadenfest zu und hängt es noch eine Zeit lang auf. Durch Drücken mit den Händenvon oben nach unten wird der Niederschlag bald so trocken, dass er die Presseverträgt. Man presse nun, vorsichtig schraubend, ganz aus, bis der Nieder-schlag einen festen trockenen Kuchen darstellt. Gewöhnlich trocknet man den-selben an der Luft. Ich schlage jedoch vor, denselben mit zwei DrachmenZucker oder Gummipulver durchzukneten und vollkommen zu benetzen, underst dann zum Trocknen auf Papier ausgestochen hinzustellen. Dieser kleineZusatz vermehrt das Gewicht auf eine kaum bemerkbare Weise und schützt esvortrefflich gegen Oxydation. Dieses Präparat wird nicht wie das Ferrum car-bonicum saccharatum in erhöhter Dosis gegeben, sondern es stellt ein gleichesGewicht des reinen Präparates dar. Man bewahrt das Präparat im Keller ingläsernen Gelassen auf.
Das Pulver der getrockneten Masse hat eine graugrüne Farbe mit einemStich in’s Gelbe, und braust nach Jahren, mit Säuren übergössen, wie Kreideauf. Es ist fast ebenso haltbar wie das Eisenoxydhydrat selbst.
1,7C Gramme eines zwei Jahre alten Präparates entwickelten in dem Braun-steinanalyse-Apparat von Fresenius und Will 0,17 Gramme trockene Koh-lensäure oder 9,6 Procent. Die Flüssigkeit, welche durch Zersetzung mit ver-dünnter Schwefelsäure erhalten war, gab, mit überschüssigem kohlensaurem