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Identität des Wetli'schen und des Hansen’schen Instru-mentes auf den ersten Blick klar wird.
Der Wetli'sche Planimeter kann aus dem Oppikofer-Ernst’schen entstanden gedacht werden, wenn man sichden Kegel des letzteren, welcher an der Spitze einenWinkel von 18° hat, so umgewandelt denkt, dass dieMantellinie mit der Kegelaxe einen rechten Winkel bildet,mit andern Worten: wenn man für den Kegeleine Scheibe s u b s t i t u i r t.*)
Der ganze Apparat ruht auf einer starken, mit fünfDurchbrechungen versehenen metallenen Grundplatte PPP,mittelst eines auf Rollen rrr‘ hin- und herbeweglichendreifüssigen Gestelles , das in seiner Mille die senk-rechte Drehaxe d unterstützt; da die letztere unten nurauf einer feinen Stahlspitze läuft, so muss sie an ihremoberen Ende nochmals gefasst werden, zu welchem Be-hufe der Gussständer t , der auf das vorgenannte drei-füssige Gestelle geschraubt ist (Schräubchen b, Fig. 2),eine sie oben ringförmig umfassende Platte a trägt. Ander Achse d sitzt die messingene Trommel T und Uberdieser die kreisförmig begrenzte Metall platte p, auf wel-cher die Glasscheibe S aufgekittet ist. Die Axe A derauf ihr festsitzenden Rollen rr, welche in den mit derGrundplatte fest verbundenen Schienen ss laufen, endigtin Stahlspitzen (eine solche spitze Endung, sowie dasProfil der Rollen und der Schienen zeigt Fig. 3), die indurch die Schräubchen u regulirbaren Lagern gehen;ebenso sind die Achsenlager der auf der Schiene s' lau-fenden Rolle r‘ construirt. Die beiden Stifte c c‘ sind indie Grundrahme geschraubt und bestimmen die Grenzender Bewegung des dreifüssigen Wagens, indem an siedie Rollenaxen anslossen.
In fester Verbindung mit dem Dreifuss stehen diewie die vorigen construirten Lager der drei Rollen e e e‘,die sich um vertikale Axen drehen, zwischen ihnen glei-tet senkrecht zur Bewegungsrichtung des Wagens dasmetallene Lineal L, welches so stark gebaut ist, dass essich nicht leicht biegen kann ; das Profil dieses Lineales,sowie das seiner Leitrollen und die Lager der letzterensind aus Fig. 3 zu ersehen'.
Auf das Lineal L sind die beiden kleinen Träger f faufgeschraubt, zwischen denen der feine, sich um dieTrommel T schlingende Siiberdraht gg, dessen Span-nung durch das Schräubchen h corrigirt werden kann,aufgezogen ist.
Es ist sofort klar, dass mit dem am Ende des Linea-les L angebrachten Fahrstifte F eine beliebig begrenzteFigur, deren Grösse mit den Dimensionen des Appara-tes in entsprechendem Verhältnisse steht, vollständig um-fahren werden kann, da der Apparat zwei zu einandersenkrechte und mischbare Bewegungen gestaltet; die Be-wegung des Fahrstiftes, welcher mit L und g g in festerVerbindung ist, theilt sich nun der Trommel T und folg-lich auch der Scheibe S mit, letztere dreht sich, sobaldF bewegt wird.
*) Diese schöne Idee Wetli’s bahnte den Planimetern den Wegin die Praxis.
An den vertikalen Zungen z z des Grundrahmens istder Ständer Q Q ang eschraubt, auf welchem das aus derFigur ersichtliche Zifferblatt gravirt ist. Die Drehungs-axe B der auf der Scheibe ruhenden Rolle C trägt denZeiger Z und ruht einerseits drehbar in dem Ständer Q Q,andrerseits in dem Rahmen ii, welcher bei kk mit demStänder Q Q durch Schräubchen hebelartig verbunden ist.
Dreht sich die Scheibe S, die zur Vermehrung derReibung mit Papier überzogen ist, so theilt sich dieseBewegung auch der auf ihr ruhenden Rolle C mit undder mit der Rollenaxe B fest verbundene Zeiger Z gibtauf dem Zifferblatte die Grösse des Bogens an , welchendie Rolle abgewälzt hat. Das Zifferblatt ist in 500 Theilegetheilt, deren Halbe geschätzt werden. Die Axe B istam Ende mit einem 6r Trieb gezahnt, welcher in dasRädchen R greift; dieses Rädchen hat 120 Zähne unddreht sich sonach 1 Mal, während die Rolle ihren Um-fang 6 Mal abwälzt; hienach ist auch die ia Fig. 4 inwirklicher Grösse gegebene Bezifferung des Zifferblattesund des Rädchens verständlich, sie geht von der Lin-ken zur Rechten, heim Zifferblatte: 0, 20, 40, 60....960, 980; beim Rädchen: 0, am 7. Zahne 1, an der 13.Lücke 2 u. s. w.
Betrachten wir jetzt die Bewegung des Fahrstiftes etwasnäher: Geht derselbe in der Richtung des Lineals L vonm gegen n, so wird sich die Zeigerspilze von m' gegen n 1drehen und umgekehrt; fährt hingegen der Stift einer zurvorigen Richtung senkrechten Strecke nach, also parallelzu den Schienen s s s‘ z. B. von m gegen o, so w'ird derZeiger stille stehen, da diese Bewegung keine Drehungder Scheibe, sondern nur eine Aenderung des Abstandesdes Berührungspunktes der Rolle C mit der Scheibe Svom Mittelpunkte der letzteren hervorbringt, mit andernWorten : den Radius des Kreises, in welchem die Scheibevon der Rolle berührt wird, ändert; in unserem Beispiele,wo die Bewegung von m nach o angenommen wurde, er-folgt eine Verkleinerung dieses Radius. Liegt hingegendie Linie, auf welcher der Fahrstift sich bewegt, zwischenden beiden eben betrachteten Richtungen mn und m o,also geneigt gegen die beiden Hauptbewegungsrichtungendes Apparates, so findet sowohl eine Bewegung des Zei-gers, als auch eine Veränderung des Radius des Rollen-berührungskreises statt und die Rolle wickelt in jedemMomente ein Element eines anderen Berührungskreises aufder Scheibe ab.
Solche Planimeter werden nach Angabe Stampfersvon Starke in Wien in vorzüglicher Ausführung zu demPreise von circa 150 — 180 fl. geliefert. Amsler gibt fol-gende Preise an: Planimeter nach Wetli’s System kosten:
» Hamberg in Stockholm . . 400 »
» Goldschmid in Zürich . . . 180 »
ein Planimeter nach Oppikofer’s System kostet:
*) Hier ist ein Hanscn’schcr Planimeter zu yerstehen.