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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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Geist habe gar keinen ursprünglichen Inhalt, sondern sei miteinem Stück weissen Papiers zu vergleichen, also völlig tabularasa. In dem Kampfe zwischen diesen beiden Extremen, zwiscltenIdealismus und Empirismus, werden wir die neuere Spéculationbald von dem einen, bald von dem anderen Pole angezogenfinden. In dem Systeme Spinozas war, wie wir gesehen, dieserGegensatz schon vorhanden, indem die Modi, die Summe derNegationen, als das Feld der Erscheinungswelt neben der Sub-stanz unvermittelt stehen blieben.

Daher mussten in dem weiteren Verlaufe der Spéculationaus Spinozas System sich diese beiden Richtungen entwickeln.Wie Leibniz nun als Repräsentant des Idealismus in seinerLehre von den Monaden hervortrat und in Ermangelung einesjeden realistischen Momentes die ganze Natur in seinem Sy-steme streng genommen als ein Phantom erschien, so hat seinNachfolger Berkeley diesen Idealismus in seiner Consequenz aufdie äusserste Spitze getrieben. Auf der anderen Seite machtesich in demselben Maasse als Gegengewicht der Empirismus durchLocke und Baco geltend, indem diese Denker jeden tieferen Inhaltdes Geistes leugneten und den Geist völlig von der Erfahrungabhängig machten. Wir finden daher von dieser Periode anbis auf Kant, dass die eine Seite, die idealistische Richtung, vonLeibniz durch Berkeley bis zur höchsten Consequenz geführt ihrenAbschluss in Wolf findet, der sich bemüht, vermöge einer ab-stracten Reflexion das System des Leibniz in einen scholastischenFormalismus umzubilden, der als Dogmatismus bezeichnet werdenmuss, während der Empirismus von Baco und Locke in einenflachen Realismus umschlägt, wo alle Idealität des Geistes ge-leugnet wird. Je mehr sich nun bei dieser mageren Behandlungdie Spéculation zuletzt in einem populären Eklekticismus breitmacht und einem vulgären Rationalismus das Feld eröffnet, umso mehr wurden alle Grundlagen des christlichen Lebens unter-graben. In dieser für die Spéculation so dürren Zeit war esnothwendig, dass durch einen hervorragenden Geist ein neuerAufschwung erfolgte, um der deutschen Nation ihr angestammtesErbtheil zu sichern. In dieser Periode des Eklekticismus und