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Theismus zu fördern, von der Identificirung des göttlichen mitdem menschlichen Bewusstsein weit entfernt ist. Gott ist nachSt. Martin kein verschlossenes Wesen, sondern lebendig in ewigerThätigkeit, und tritt in seiner Offenbarung stets aus seiner Magieheraus, indem Er sich unserem Sehnen und unserem Willenkund thut. Der Mensch lebt zwar auch von dieser Sehn-sucht und von diesem Willen, und seine Aufgabe ist, sichdarin zu erhalten ; in Gott ist aber das Sehnen immer Wille,dagegen im Menschen, als dem Nachbilde, die Sehnsucht seltenzum vollkommenen Ziele gelangt. Durch die dem Menschengegebene Macht, sein Sehnen bis zur Kraft des Willens zuerheben, sollte er jedoch wirklich ein Ebenbild Gottes werden.In der That, er kann es erlangen, dass der göttliche Wille selbstkommt, sich mit seiner Sehnsucht zu vereinigen, und dass eralsdann in Uebereinstimmung mit der Gottheit arbeitet und wirkt;diese würdigt ihn also, ihn einigermaassen an ihren Werken,ihren Eigenthümlichkeiten und ihren Kräften Theil nehmen zulassen. Der Mensch kann in der That dahin gelangen, doch abernur dann, wenn der göttliche Wille sich mit seiner Sehnsuchtvereinigt; dann arbeitet er nicht aus eigener Kraft, sondern mitAssistenz der Gottheit. In dem Maasse, als Gottes Wille indem Menschen wirkt, in dem Maasse kann der Mensch als Eben-bild Gottes an seinen Werken Theil nehmen. Darum bleibt derMensch der Erkenntniss Gottes nicht beraubt, sondern muss eben*mr bitten, um sie zu empfangen. Der Mensch ist eine PflanzeLottes; Gott aber ist der Saft und das Leben.
Zwischen Gott und die Natur gestellt, sagt St. Martin weiter,bat der Mensch die hohe Aufgabe, das ewige Licht als Ebenbildfortzusetzen. Der Mensch und Gott sind nämlich die beidenäussersten Punkte der Wesenkette. Also sollte der Mensch hieniedendas executive Wort besitzen; aber Gott allein hat auf der Höhesernes Thrones das schöpferische Wort. Alles, was zwischendiesen beiden Wesen liegt, ist ihnen unterworfen, — Gott, alsvon ihm hervorgebracht, — dem Menschen, als ihm unterthan.Auch würde Alles vor uns zittern, Hessen wir dem göttlichenWesen freien Zutritt: erstens die Natur, weil sie niemals diesesBaader’s Werke, XII. Bd. 3