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göttliche Wesen gekannt hat, und es niemals kennen wird;zweitens unser unversöhnlicher Feind, weil er es nur noch durchdie Schrecken seiner unüberwindlichen Macht kennt. Der Menschhat also seiner ursprünglichen Bestimmung nach nur in die Tiefeder Wunder und Werke Gottes einzudringen. Aber nur unterder Bedingung, dass er bei Gott blieb, konnte er diesen Auftragerfüllen. Der Mensch ist ein Wesen, welches beauftragt ist, Gottda fortzusetzen, wo er sich nicht mehr durch sich selbst erkennbarmacht. Nicht in seiner radikalen und göttlichen Ordnung, inseinem undurchdringlichen Ursprünge, setzt er ihn fort, weil Gotthier nie aufhört, sich durch sich selbst erkennbar zumachen, weil er dort seine geheime und ewige Erzeugung bewirkt,sondern im Bereiche der Offenbarungen und Ausströmungen setzt erihn fort, weil Gott sich hier nur durch seine Ebenbilder und seineRepräsentanten erkennbar macht. Das ist der eigentliche normaleZustand des Menschen. Da der Mensch aber durch den Sünden-fall nicht in diesem Zustande blieb, so suchte Gott ihn zu retten,zu erneuern und wiederherzustellen. Wir sehen aus den hierangeführten Worten St. Martin’s, dass er sich ausdrücklich gegenjede Identificirung des göttlichen mit dem menschlichen Bewusst-sein erklärt, und obwohl er den Menschen in die allernächsteBeziehung zum Absoluten stellt, doch streng an dem trans-scendentalen Principe festhält. Kann das Absolute nur durch denewigen immanenten Selbstentwieklungs-Process sich selbst erkennbarmachen, so kann das Erkennen Gottes von Seiten des Menschennur dadurch stattfinden, dass es ihm als Gabe Gottes geschenktwird; daher auch St. Martin das Wissen von Gott nur als einsecundäres erfasst, und der Mensch Gott nur in seiner Offen-barung fortsetzen kann.
Hiemit soll übrigens nicht geleugnet werden, was auch Baaderin seiner Weise im vorliegenden Bande rügt, dass in St. Martin’sWerke: De l’Esprit des choses I, 32 ff., sich eine Aeusse-rung findet, die pantheistisch gedeutet werden müsste, wennsie nicht offenbar ihr Correctiv zugleich mit sich führte. Wennmau die hierher gehörige Stelle recht genau ansieht undmit den vorausgegangenen und nachfolgenden über Gott und