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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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Schöpfung vergleicht, so erkennt man deutlich, dass St. Martinauch hier nicht das Selbstbewusstsein Gottes in den geschaffenenGeistern erst sich verwirklichen lässt, sondern dass ihm Gott inseiner ewigen Dreipersönlichkeit schon Geist und Selbstbewusst-sein ist, indem er schafft, wenn ihm die Schöpfung auch in derEwigkeit begonnen hat. Ausdrücklich sagt St. M., dass die vonGott selbst unterschiedenen Ebenbilder oder Spiegel nicht Mo-mente, Theile oder Glieder Gottes, sondern als aus ihm entsprungenProducte Gottes seien, von ihm verschiedene Wesen, nicht vongleicher Vollkommenheit und gleicher Natur mit Gott, wiewohlihm analog. Auch die von St. M. an diesem Orte vertheidigteEwigkeit der Schöpfung hat zuletzt keinen anderen Sinn, als den,dass die Schöpfung nicht in der Zeit begonnen haben könne.Dass die Schöpfung entstehen und ihren Anfang in Gott habenmusste, sagt St. Martin ausdrücklich, nur behauptet er, siekönne nicht in der Zeit, sondern müsse ausser aller Zeit ent-stehen. Darin gibt ihm aber ja auch Baader recht und somitentfernt sich St. M. im Grunde nicht wirklich von der Böhme-schen und Baaderschen Lehre, wiewohl Baader in seinen Be-stimmungen unleugbar klarer, bestimmter und schärfer ist. Inseinen späteren Schriften und besonders vor Allem in seiner letzten:Le Ministère de lHomme-Esprit, verschwinden alle missdeutbarenAeusserungen über das Verhältniss Gottes zur Welt.

Eine erschöpfende Untersuchung über diese Streitfrage müsstedie Gottes- nnd Schöpfungslehre jeder einzelnen Schrift St. Martinsfür sich untersuchen und die Ergebnisse dieser Untersuchungenunter einander und besonders mit den Darlegungen der letztenund reifsten Schrift vergleichen. Nach meiner Kenntniss derSchriften St. Martins würde diese Untersuchung das Ergebnissdarbieten, dass in ihnen sich der Pantheismus überwunden undwiderlegt darstellt. Denn auch was St. Martin von der Emana-tion der Geister aus Gott lehrt, enthält nicht Pantheismus, wennman die Emanation in dem Sinne nimmt, in welchem St. Martinsie genommen wissen will. Auch der heil. Augustinus hat imGrunde über den Anfang der Schöpfung nichts Anderes als St.Martin gelehrt. Prof. Dr. Schlüter gibt diese Lehre in seinen

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