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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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36
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vortrefflichen Sinnsprüchen aus dem b. Augustinus in folgenderWeise wieder:

Gott ist von Ewigkeit, neu ist die Schöpfung; aber beim neuenWerke wendet dennoch ewigen Eathsehluss er an . . .

Was, o Herr, du gethan, sie fragen, bevor du geschaifen

Himmel und Erd, und warum stets du nicht ruhtest wie da?

Wie doch konnten vergehen zahllose Jahrhunderte, die du

Selbst nicht gemacht, da nur du die Jahrhunderte sehufst?

Oder was wären die Zeiten, die du nicht hättest erschaffen?

Oder vergangen doch wie wären sie, waren sie nicht?

Doch bist du nur der Wirker der Zeiten, und waren die ZeitenSchon vor Himmel und Erd, ruhtest du wirklos denn da?

Eben dieselbige Zeit du erschufest sie, und nicht vorüberKonnten sie gehen, bevor selbst du die Zeiten gemacht.

Doch wenn Zeiten nicht waren vor Himmel und Erde, wie fragt man,Was du doch damals gemacht, als noch ein damals nicht war?Auch nicht gehest der Zeit du voran in der Zeit; denn als-dann ja

Gingest mit Nichten du selbst sämmtlichenZeiten voran.Aber was ist denn die Zeit? Wo Keiner mich fraget, da weiss ichs,Aber um Antwort bemüht, ist es als wüsste ichs nicht.

Freilich begonnte zu sein nicht die Zeit in der Zeit, da die

Zeit ja

Nimmer vermochte zu sein, ehe begonnen die Zeit.(Aussprüche der philosophirenden Vernunft und des gläubigen Her-zens aus den Schriften des h. Augustinus. Von Prof. Dr. C, B.Schlüter. Münster, Coppenrath 1859.)

Wenn Ludwig Eckardt in seiner Schrift: Die theistische Be-gründung der Aesthetik im Gegensätze zu der pantheistischenS. 54 57 sagt: Die Welt ist von Ewigkeit und doch hat dieWelt ihren Grund (Anfang) in Gott, so sehe ich dies der Sachenach gar nicht als verschieden von der Lehre des h. Augustinus,Saint-Martin und Baader an.

Noch immer findet sich in der gesammten deutschen Literaturkeine Schrift, in welcher eine nur einigermaassen befriedigendeDarstellung der Lehre St. Martins anzutreffen wäre. Das Bestefindet sich noch in dem ausgezeichneten Werke Ulricis.

Aber in der Hauptsache bleibt auch diese Darstellung weithinter ihrer Aufgabe zurück.