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1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
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sein, metaphysische Wissenschaft sein müsse, und er verwarf so-nach mit ihnen sowie die abstracte Trennung von Form und In-halt, so auch natürlich die von einer Formenwissenschaft undeiner Inhaltswissenschaft *). Wenn er aber schon damit einver-

*) Bekanntlich hielt auch Herbart an der formalen Logik fest. Her-bart »zerlegt die Philosophie in die drei völlig verschiedenen Wissen-schaften: Logik, Aesthetik, Metaphysik. Hoch ist ihm die Logik die noth-wendige Vorschule zu den beiden übrigen philosophischen Wissenschaften,woraus indess nicht folgt, dass sie ihm blosse Vorschule zur Philosophieselbst ist. Da er sie ausdrücklich einen Theil (den ersten) der Philoso-phie nennt, so hätte er vor Allem zeigen sollen, was ihr denn den Cha-rakter einer philosophischen Wissenschaft verleiht. Wäre sie etwa nurVorschule zu den andern philosophischen Wissenschaften, so wüsste mannicht, wie sie dazu kommt, selbst philosophische Wissenschaft zu sein.Vergl. Herbarts Sämmtliche Werke. Hcrausgegeben von Prof. Dr. Har-tenstein (Leipzig, L. Voss, 1850) I, 13, 42, 47. Gäbe man auch die Mög-lichkeit einer Wissenschaft zu, die lediglich die Lehre von den Beding-ungen des gesetzlichen Denkens wäre (Neue Darstellung der Logik vonProf. Drobisch, S. 5) oder, wie Herbart sagt, die lediglich Vorschriftenaufzustellen hätte, nach welchen sich das Denken richten soll. (HerbartsPsychologie als Wissenschaft II, 173), so wäre doch zu zeigen, wie undwodurch eine solche Wissenschaft Anspruch darauf zu machen hätte, einephilosophische Wissenschaft zu sein. Die Möglichkeit einer solchenWissenschaft von der Art, wie man denken soll vor aller Erkenntnissdes Wesens des Denkens ist aber gar nicht einzusehen und folglich auchnicht, wie eine solche Wissenschaft der Metaphysik vorhergehen kann.Es ist derselbe Widerspruch, wie wenn Herbart die Wissenschaft dessen,was gewollt werden soll ohne alle Erkenntniss des Wesens des Willensfür möglich hält. Schon der Umstand, dass jede wissenschaftliche Logik,wie sie auch zu bestimmen sei, mit einer Auseinandersetzung ihres Ver-hältnisses zur Metaphysik beginnen muss, eine Auseinandersetzung, dieselbst nothwendig metaphysischer Natur sein muss, beweiset, dass dieLogik der Metaphysik nicht vorausgehen kann. Indem sich Löwe (Ueberden Begriff der Logik und ihre Stellung zu den anderen philosophischenDisciplinen, Wien, Braumüller, 1849) einer solchen Auseinandersetzungunterzieht, widerlegt er selbst seine Behauptung der Nothwendigkeit einerTrennung der Logik von der Metaphysik, und indem er zugesteht, dielogischen Formen sollen dem Realen nicht entfremdet werden (S. 24),d. h. also doch mit bewusster Beziehung auf ein durch sie zu erfassendesReales gedacht werden, metaphysische Untersuchungen seien dabei nichtzu vermeiden (S. 69), gibt er Alles oder doch die Hauptsache von demzu, was wir zugegeben wissen wollen, denn auch uns gilt ja die Logik,ungeachtet ihres eigenthümlichen Gehaltes beziehungsweise für eine for-melle Wissenschaft. Aehnlich hatte sich schon Ernst Reinhold (Logik