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1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
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lieh uns als einen Mangel oder eine Abwesenheit der positivenVermittelung erklären wollen, nicht bedenkend, dass, wie Job.Menge*) bemerkt, derjenige, welcher friert, zwar einen Mangelan Wärme leidet, zugleich aber auch einen Ueberfluss an Kältespürt, was nicht minder von Licht und Finsterniss, von Tugendund Sünde &c. gilt. Wogegen aber die Schrift den Vater derLiige und Sünde ebensowohl von letzterer als dem ihm einerzeug-ten Satan, als beide von dem aus ihnen ausgehenden Finster-und Mordgeist unterscheidet. Der Eingeweidewurm oder dasEingeweidethier ist ein seinem Mutterthier Ein- (und von diesem,jedoch nicht für, sondern gegen es) Erzeugtes, welches seine vitapropria gegen das Mutterthier geltend macht, obschon es von ihmlebt und ausser oder ohne dasselbe nicht besteht. Nicht blossdie Physiologen, sondern auch die Psychologen hätten aber indieser sogenannten generatio aequivoca (abnormis) nichts Geringe-res sehen können und sollen, als die Caricatur der generatio primaria, immanens oder der generatio (causa) sui.

Das Verständniss des positiven, wie des negativen Vermitt-lungs- oder Eingeburts-Processes ward übrigens bisher durch dieNichtbeachtung der androgynen Natur des Zeugeprincips erschwert,indem man jenen Satz:Pater in filio, filius in matre* nicht inseiner universellsten Bedeutung fasste, nämlich so, dass der Her-vorbringende ebensowohl in seinem Erzeugten, als Dieser in Jenemist, oder: dass, gleichwie der Hervorbringer, als sich durch dieProduction centralisircnd, sich infassend und ausbreitend zugleicherweiset, der Erzeugte gleichfalls nach beiden Richtungen, der ihmsich als Väterlichkeit gebenden Fülle als Hülle oder Form, sowie der sich ihm als Hülle gebenden Mütterlichkeit als Fülle zu-rückgibt. Man sehe hierüber meine 40 Sätze aus einer religiösenErotik. (Sämmtl. Werke B. IV. II.) Es ist nun hier nicht derOrt, nachzuweisen, wie in Folge des Gesagten, jede negative Ver-mittlung nur durch Aberration der Zeugepotenzen oder Suchten,

*) Beiträge zur Erkenntuiss des Göttlichen Werkes, Göttlichen Wortesund Göttlichen Ebenbildes von Johannes Menge. (Lübeck, Borchers 1822)S. 29 u. 362.