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1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
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kann nämlich in der wahrhaften Ordnung der Dinge nicht wahr-haft besitzen, was man nicht rechtlich besitzt, weil der wahrhafteBesitz der innere und äussere (factische) zugleich ist.*)

Unsere Philosophen haben in Ermangelung der Einsicht, wiein der Creatur eine solche Negativität entstehen und sich ent-zünden kann, die Einsicht in das Mysterium iniquitatis verloren,von welchem die Schrift spricht, und da sic das Aufkommeneiner Photophobic, Erotophobie und Theophobie nicht sich be-greiflich machen konnten, haben sic dieselbe geleugnet oderignorirt. Ich habe aber, was diese Theophobie betrifft, ander-wärts gezeigt, wie das, was dem Menschen Lust sein könnte undsollte, ihm zur Last wird, so wie er, sich von demselben abwen-dend, einer andern Lust sich hingibt, und dass dieses seine Frei-heit fesselnde Gefühl der Last es ist, was nun erst, nach ge-schehenem Treubruch, seinen Hass oder seine (unter Gleichgül-tigkeit und Kälte sich versteckt haltende) Bosheit gegen dasoder den in ihm erregt, von welchem dieser Druck ausgeht. Sofühlt sich der Sünder (der Untreuwordenc) unfrei mit Gott oder,wie man sagt, mit Gott gespannt, und diese Unfreiheit treibt ihnvorerst zum freilich tantalischen Bestreben, von Gott sich loszu-machen, sofort aber, weil ihm dieses Losmachen nicht gelingt,zum Gotteshass und zur Gottesscheue. Eigentlich gibt es darumkeinen Gottesleugner, weil es keinen von Gott Sichlosmachendengibt, und es ist also falsch, die Religion in die Abhängigkeitdes Geschöpfes von Gott überhaupt zu setzen, da ja auch dieTeufel diese Abhängigkeit anerkennen müssen. Die Religion derErlösung (das Christenthum) ist darum die Religion der Befreiungdes Menschen von Gott, von sich, von andern Menschen undIntelligenzen und von der Natur, weil sie, den Menschen von derihn unfrei haltenden Spannung und dein Zerwürfniss mit Gott

*) So lange darum, um solches hier im Vorbeigehen zu bemerken,die Antirevolutionäre nicht auf den Standpunct des Rechts treten, auf denerst kürzlich der Verfasser der in Frankfurt 1832 erschienenen Schrift:Einiges über den Missbrauch der gesetzgebenden Gewaltbei Gelegenheit ge wiss e r Er geh n isse derjüngsten Stfinde-Versammlung im Grossherzogthum Baden trat, so lange redenund schreiben sie in den Wind.