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Verbindungsweisen dev Menschen nicht einer ähnlichen Veredlung,'Heiligung oder ethischen Potenzirung, wie die Ehe z. B., fähigsein sollten, und eben so wenig zu leugnen ist, dass die in unserenZeiten bis zum Unleidlichen gehende Unheiligkeit und ethischePotenzlosigkeit derselben das Bedürfnis jener Heiligung dringenderals je sowohl den Grossen der Erde als den Völkern ans Herzgebracht und geweckt hat* *).
Einer Religion, die sich als Botschaft des nahe gekommenen ‘Reiches Gottes unter den Menschen ankündigte, wird man dochihre weltbürgerliche (politische) Tendenz nicht abspreclien können,und wenn schon dieses Reich nicht von dieser Welt ist undkömmt, so kömmt es doch für sie und in sie. Nur in jenenersten Zeiten des Christenthums, wo es noch keine christlichenRegenten gab, konnte darum die Pflicht der Herbeiführung undAusbreitung dieses Reiches bloss den Privaten und den sichaus ihnen bildenden Privatgemeinden (Kirchen) überlassen undübertragen bleiben. —
Aus diesem Gesichtspuncte betrachtet scheint nun eben durchdie französische Revolution eine neue Aera für die christlicheReligion herbeigeführt zu sein. Denn, ohne der Religiosität ver-storbener wie lebender Regenten und Völker im Geringsten zunahe zu treten, kann man in dem eben bemerkten Sinne den Satzbehaupten: „dass es bis dahin nicht nur noch keinen rein christ-lichen Staat gab, sondern dass selbst alle Staaten von dem Geistedes Christenthums sich wieder merklich weiter entfernt haben,als dieses in älteren sogenannten rohen und uncultivirten Zeitender Fall war.“ Denn in der Tliat sehen wir noch in allen Staaten
eben sowohl ein freier König als andre. Darum sollen wir einanderköniglich und nicht sclavisch behandeln (als künftige Könige, wie dieChristusreligion lehrt), und keiner über den Anderen zu herrschen begehren,sondern vorzüglich durch I.iebe, wie Gott, in Andre zu wirken suchen.“Vergleiche Hahn Kolosser 6. 100 und 165 . Aber freilich kann nur jeneRegierung liebenswerth sein, die sich fürchten machen kann.
*) Die Politik ist gutentheils gottlos und heil- (and-) los worden.Jedes gottlose Volk wird aber königlos, jeder gottlose König volklos sichzeigen.