186
ist auch zu allgemein erkannt, und wird jetzt in allen Staatenbefolgt, bei deren Regenten nur ein Funke von Staatswirthschaftist. Durch Befolgung dieser Regel haben seit einem JahrhundertStaaten, die äusserst unbedeutend waren, so an innerer Machtund wahrhaftem Wohlstände zugenommen, dass ihr jetziger Zu-stand mit dem ehemaligen nicht verglichen werden kann, undnur diejenigen Staaten liegen in ihrer alten Ohnmacht, in welcherman sich es noch gleichgültig sein lässt, ob die Arbeit, die andie Bedürfnisse der Einwohner gewandt werden muss, dem Aus-länder oder dem Bürger bezahlt werde. Die Maassregeln, durchwelche diess ausgeführt wird, sind jetzt zu bekannt, und fast inallen Staaten so ähnlich, dass ich mich nicht über deren Erläu-terung ausbreiten mag. Sie haben zum Tbeil das Ansehen einergewissen Gewaltsamkeit. Sie stören die so allgemein beliebteHandelsfreiheit*) und nehmen insonderheit dem Kaufmann, der
England diese hohe Stufe seiner Industrie eben nur dem früheren Ge-brauche jener Zwangsanstalten (zur Ausschliessung ausländischer) zu ver-danken, und selbst England würde trotz des Moments und der Stärke,welche seine inländische Circulation verlangt hat, das Experiment einerunbeschränkten Handelsfreiheit nimmer aushalten. Es hat auch nochNiemand dieses Experiment ihm angerathen, ausser einigen Physiokraten,die man billig dort verlachte. Wie könnte man aber ein (relativ) kleines,von grösseren, mächtigeren, reicheren, industriösen und sich gegen das-selbe geschlossen haltenden bändern umgebenes Land, dessen Industrienoch auf der untersten Stufe steht, und dessen innere Circulation nochäusserst schwach und träge ist, wie könnte, sage ich, ein solches Landeinene neardn Erfolg von dem Experimente (der dem Ausländer unbedingtgestatteten Handelsfreiheit und dem völligen Schutz- und Hilfloslassen desinländischen Manufactnristen) erwarten als gänzlichen Verfall des Restesseiner Industrie und — Auswanderung?
*) Diese unbedingte Handelsfreiheit hält auch Büsch geradezu fürunmöglich, und, falls sie auch möglich wäre, für den Welthandel unrathsam.In seiner theoret. prakt. Darstellung der Handlung, erste Ausg. 2. Thl.S. 381 elc. (zweite Ausg. [v. 1799.] S. 386) werden „die Zölle“ als daseinzige Mittel erklärt, welches ausser den Handelsverboten zu dem wich-tigen Zwecke diene, die Handlung nach Grundsätzen der Staatswirthschaftzu leiten, und welches in den meisten Fällen den Handelsverboten weitvorzuziehen sei.“ Da nun aber der Blinde sicher der schlimmste Leiter,