288
Wobei es Sie nicht irre machen soll, dass die Schrift nur voneinem solchen Eingänge in den Menschen (als der Menschwerdungdes göttlichen Wesens) spricht, weil der Mensch als Schlussgeschöpfzu diesem unmittelbaren Eingänge in ihn bestimmt war, und durchihn doch die ganze Schöpfung an jenem Theil nehmen soll. Danun, wie gesagt, dieser Process auch ohne Abfall der Creaturund des Menschen, aber auf andere Weise, stattgefunden habenwürde, weil selber die Vollendung der Schöpfung bedingt, so istnur die durch den Fall des Menschen nöthig wordene andereWeise zu begreifen. — Da aber durch den Fall des Menschenseine himmlische angeschatfene Substanz oder Leib (als zu GottesBild geschaffen) verblich und in den Zustand der Nichtsubstan-tialität (Entleibtheit oder Essentialität) zurück ging, als ins Nichtsder creatürlichen Olfenbartheit (wogegen eine andere abnormeSubstantialität oder Leiblichkeit entstund), so konnte eine Wieder-erweckung dieser verblichenen in den stillen Tod gegangenenWesenheit („Wie du von der verbotenen Frucht issest, wirst dusterben“) als des Weibessamens, wie die Schrift sagt, nur durchEingeführtwerden und durch Verbindung der göttlichen Wesenheitselber geschehen, wie es auch heisst, dass beide (die göttliche unddie menschliche Natur — nicht Geist) ohne sich zu vermischen indine Person Zusammengehen als in den zweiten Adam. Denn nichtGott als Geist oder als die zweite Person des Gott-Ternars alsdes Deus spiritus, sondern jene als das Wort führte die göttlichecreirende Wesenheit in die verblichene geschaffene, in Mariä Samen,ein, welcher unmittelbare Eingang des Wortes in die göttlicheWesenheit nicht mit dem durch Eingeführtwerden dieser in dieverblichene geschaffene Wesenheit vermittelten zu vermengen ist.Jener Eingang des Wortes in die uncreatürliche Gottwesenheit (alsderen Eingang in die verblichene Wesenheit bedingend) geschahfreilich nicht früher, also auch nicht ihre Verbindung der letzterenzu diner Person (wie denn früher die creirende göttliche Wesenheit(wie Eckart sagt) unpersont war und auch in dieser Personirungden göttlichen Personen untergeben). — Diess war und ist freiliehdas grösste Wunder der Liebe, denn die Liebe ist als übernatür-lich der Natur und Creatur ein Wunder, sohin ihr a priori.