seinen Nouveaux essais sur l’entendement humain gegen Lockefür die Annahme der angeborenen Ideen aufgcstellt hat.
Was Büchner in seiner Leichtfertigkeit unterlassen hat, wollenwir hier an seiner statt thun, da die Gründe des Leibnizihrem Wesen nach bis heute unerschüttert stehenund für immer unerschüttert stehen werden, wie siedenn auch ganz geeignet sind, den Widersinn des Materialismus
in das hellste Licht zu stellen.
Hier (bei der Frage nach dem Ursprung unserer allgemeinenund notbwendigen Begriffe), erklärt Leibniz, kommt es darauf an,mit Gewissheit zu bestimmen, ob die Seele an und für sich selbstganz leer, gleich einer Schreibtafel sei, worauf noch nichts ge-schrieben, die also nach dem Aristoteles und dem Verfasser desVersuchs (Locke) als tabula rasa erscheine; ob demzufolge alles, wasin dieselbe gegraben und gezeichnet sei, lediglich von den Sinnenund aus der Erfahrung abgeleitet werden müsse? oder ob sie diePrincipien unserer Begriffe und unserer gesammten Erkenntnisseursprünglich in sich enthalte, so dass sie die äusseren Gegen-stände nur gelegentlich erwecken. Iliebei scheint ihm schon derUmstand entscheidend zu sein, dass jeder Mensch die apriorischenWahrheiten, z. B. den Satz des Widerspruchs, sobald er ihn nur ver-nehme, sogleich auch für wahr halte. Es geschieht diess nach Leibnizvermöge der spontanen Natur des Geistes, der, so wie er ist, sichauch — wenn auch nicht stets nach allen möglichen Beziehungenzugleich — nach seinen immanten Gesetzen tliätig erweist. Da-raus folgt nicht, dass der Geist nicht ohne die oder vor der Er-regung der Sinne durch sinnliche Gegenstände und ohne die odervor der Erregung der Seele durch geistige Wahrnehmungen der ur-sprünglichen, apriorischen Wahrheiten sich bewusst sein müsste,sondern es genügt, dass das, was wirklich in dem Verständel* e gt, auch in demselben aufgefunden werden kann. Doch istdieses Vermögen keine blosse Fähigkeit, gewisse Wahrheiten undErkenntnisse aufzunehmen, keine so bloss leidende und unbestimmteKraft, wi e d as Wachs, Figuren, und wie eine leere Tafel hat,Buchstaben aufzunehmen, mit einem Worte keine blosse Mög-liclikeit, jene Wahrheiten zu verstehen. Es ist vielmehr eine