Buch 
Vorschule der Geologie : eine Anleitung zur Beobachtung und zum richtigen Verständniss der noch jetzt auf der Erdoberfläche vorgehenden Veränderungen sowie zum Studium der geologischen Erscheinungen überhaupt : nach dem "Geological Observer" des Sir Henry T. de la Beche : mit über 300 in den Text eingedruckten Illustrationen in Holzschnitt / Henry T. de la Beche ; frei mit Zusätzen bearbeitet von Dr. Ernst Dieffenbach
Entstehung
Seite
374
JPEG-Download
 

874

Brandung der grossen Meereswelle an Küsten.

Weise finden Bergstürze von den Berggehängen und Meeresklippenwährend Erdbeben statt, die oft von beträchtlicher Grösse sind. Wennman die zahlreichen Bergschlüpfe der Art in gebirgigen und selbsthügeligen Districten und längs den Küsten in Betracht zieht, sowiedas häufige Fallen von Gesteinen durch die Wirkungen gewöhnlicheratmosphärischer Einflüsse, so müssen oft in Folge heftiger Erschütte-rung solcher Districte Nachsenkungen verschiedener Art statthaben*Berücksichtigt man den Ursprung von Quellen, und besonders solcher,welche durch Spalten und Klüfte aufsteigen, so begreift sich leicht, dasshier Störungen eintreten, und dass später mechanisch in dem Wassergetragenes Material ausgeworfen wird.

Diegrosse von Erdbeben hervorgebrachte Meereswelle hilft bis-weilen wesentlich zur Modification der erschütterten Küsten, indem sieMassen transportirt, die unter gewöhnlichen Umständen nicht bewegtwerden konnten und Auflagerungen an seichten Stellen aufreisst. DieGrösse dieser Wellen ist bisweilen sehr beträchtlich, obgleich dieselbedurch die Furcht der Entfliehenden oft übertrieben worden sein mag*Bei dem Erdbeben von Jamaica im Jahre 1692 folgte heftig wogendesMeer dem Stosse in Port Royal, und die FregatteSwan, die an de*Werfte lag, wurde von ihm über die Häuser hinweggeführt, wobei einig 0hundert Menschen ihr Leben retteten, indem sie sich an sie fest klam-merten. Die Welle beim Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 stiegim Tajo bis zu einer Höhe von 40 Fuss, wobei die Barre trocken g e 'legt wurde, andere schwächere folgten ihr, bis das Wasser wieder z 11seiner gewöhnlichen Ruhe zurückkehrte. Die Meereswelle desselbenStosses war in Cadix 60, in Madeira 18 Fuss hoch, und wurde an denKüsten von Grossbritannien und Irland wahrgenommen, wo sie an denKüsten von Cornwall 810 Fuss hoch stieg. Im Meere wurde defStoss so heftig empfunden, dass man glaubte, die Schiffe seien gestran-det, und in Bezug auf den Ort, wo die grosse Meereswelle ihren Ur-sprung gefunden hatte, ist es wichtig, dass am Bord eines Schiffes 12®engl. Meilen westlich von St. Vincent, die Mannschaft auf dem Ver-deck bis zu einer Höhe von l'/j Fuss mit Gewalt senkrecht in die Ilöh 0geschleudert wurde. Die Küsten von Chili*) und Peru sind von ähn-

Stadt stürzte zusammen, eine grosse Menschenzahl wurde getödtet und e >®grosser Theil der Landzunge wurde drei Faden tief mit Wasser bedeckt*Long (History of Jamaica) bemerkt,dass das Gewicht so grosser Back-steinhäuser zum grössten Theil zu ihrem Einfallen beitrug, denn das La»stürzte nach, soweit die auf dieser Grundlage errichteten Häuser stand®®«und nicht weiter. I)r, Miller in Jamaica erfuhr, dass unter den Na 0kommen der ersten Colonisten eine Tradition existirte, dass der gr° s0Schaden durch das Nachstürzen des Sandes während des Erdbebens 611stand- ,

*) Die alte Stadt Conceptibn (Penco genannt) wurde .im Jahre 1751 dj 100eine Meereswoge der Art zerstört, und eine Reihe von ähnlichen K a