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Vorschule der Geologie : eine Anleitung zur Beobachtung und zum richtigen Verständniss der noch jetzt auf der Erdoberfläche vorgehenden Veränderungen sowie zum Studium der geologischen Erscheinungen überhaupt : nach dem "Geological Observer" des Sir Henry T. de la Beche : mit über 300 in den Text eingedruckten Illustrationen in Holzschnitt / Henry T. de la Beche ; frei mit Zusätzen bearbeitet von Dr. Ernst Dieffenbach
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376
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Flammen und Dämpfe aus Erdbebenspalten.

Uebertreibungen und Irrthümer in dieser Beziehung stattgefunden ha-ben können. Interessant ist das Hervortreten von Flammen, mögensie nun durch die Emanation von Gasen entstehen, die sich einfachentzünden, wenn sie in die Atmosphäre steigen, oder durch Ursachen,die mehr den in Vulkanen beobachteten gleichen. In dem letzterenFalle müssen die Risse in den Gesteinen bis zu einer Tiefe gehen, wosie die nöthigen vulkanischen Gase erhalten können. Dampfausbrücheneben den Flammenausbrüchen zeigen noch mehr, dass die Spalte biszu einer Tiefe geöffnet wurde, in welcher beträchtliche Hitze existirte.Das Erdbeben von Cumana im Jahre 1828, wo das Wasser um einSchiff in dem Hafen zischte und kochte, als wenn ein heisses Eisen indasselbe gesteckt worden wäre, und wo man beim Aufziehen der An-ker fand, dass die Glieder an einem Theil der Kette von 2 Zoll imDurchmesser bis zu einer Länge von 3 Zoll und 4 Zoll verlängertworden waren, liefert den Beweis, dass eine plötzliche Communicationmit einer sehr heissen Spalte statthatte. In Ländern, die entweder gan*oder zum Theil aus solchen Ablagerungen bestehen, wie die der grossenKohlenniederlagen von Europa und Nordamerika, und wo Spalten biszu einer Tiefe steigen, aus der eine grosse Hitze aufsteigen konnte,konnten sich nicht nur Kohlenwasserstoffgase, die sich in solchen Ab-lagerungen finden und frei werden, entzünden, sondern durch denzeitweiligen Zutritt der atmosphärischen Luft konnten selbst die zerriS'senen Theile der Kohlenflötze verbrennen, und verschiedene Secundär-wirkungen in solchen Districten hervorbringen.

Die Erdstösse sind oft, aber nicht immer von Getöse begleitetdas durch den Boden fortgepflanzt wird. Dieses ist je nach den B e "dingungen, unter welchen es sich fortpflanzt, von sehr verschiedenerArt. Nach Hum boldt war der grosse Erdstoss von Riobamba (am 4 tenFebruar 1799) von keinem Getöse begleitet, während in den Städte 11Quito undlbarra die grosse Schallwelle desselben Stosses achtzehn od« rzwanzig Minuten nachher gehört wurde. Als ein Beispiel der grosse 11Entfernung, bis zu welcher unterirdisches Getöse ohne Erdstösse fortg e 'pflanzt werden kann, erwähnt er den donnerähnlichen Schall, welch erüber einen Flächenraum von mehreren hundert Quadratmeilen inraccas, der Ebene von Calaboso und an den Ufern des Rio Apure wäb'rend dem Ausbruch des St. Vincent im Jahre 1812 gehört wurde,nach Humboldt, in Bezug auf Entfernung dasselbe ist, als wenn el °Ausbruch des Vesuvs im nördlichen Frankreich gehört würde.giebt auch an, dass bei dem grossen Erdbeben im October 1746 1,1Lima und Callao ein Getöse wie ein unterirdischer Donnerschlag elt>eViertelstunde später in Truxillo gehört wurde, welches von keinerschütterung des Bodens begleitet war. Dieses sind bloss Fortleitung ® 11der Erdwelle durch gute Leiter, wie die meisten festen Gesteine, >ib efdie Entfernungen einer zitternden Bewegung des Bodens hinaus. Wen 11