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Vorschule der Geologie : eine Anleitung zur Beobachtung und zum richtigen Verständniss der noch jetzt auf der Erdoberfläche vorgehenden Veränderungen sowie zum Studium der geologischen Erscheinungen überhaupt : nach dem "Geological Observer" des Sir Henry T. de la Beche : mit über 300 in den Text eingedruckten Illustrationen in Holzschnitt / Henry T. de la Beche ; frei mit Zusätzen bearbeitet von Dr. Ernst Dieffenbach
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Versunkene Wiilder des westlichen Europa.

für die Abwesenheit des Menschen von den Küsten, wo diese Verände-rungen stattgehabt haben, sind freilich negativer Natur, da für die Er-haltung sowohl seiner eigenen Reste, wie der seiner Kunstfertigkeit ge-wisse Verhältnisse nothwendig sind, und gewiss können einige Verän-derungen dieser Art stattgehabt haben, seitdem der Mensch auf unseremPlaneten geschaffen war, obgleich bis jetzt keine Spuren seiner Existenzweder in den gleichzeitigen Ablagerungen selbst, noch in der Art ihresVorkommens entdeckt worden sind. Während Veränderungen in demrelativen Niveau von Land und Meer in Ländern stattgefunden haben,die lange von civilisirten Rassen bewohnt wurden, und jetzt noch beob-achtet werden, wo nur die Aufmerksamkeit darauf gerichtet wird, soist kaum anzunehmen, dass Aehnliches nicht auch in Gegendender Fall war, welche von Menschen mit weniger vorgerückter Civili-sation bewohnt wurden, besonders da dtis Studium der Geologie uns lehrt,dass solche während einer langen geologischen Zeit stattgefunden haben.

Die Senkung einer Küste bis zu einer bestimmten Tiefe wird ohnehistorische Aufzeichnung des Ereignisses selten nachgewiesen werdenkönnen. Das Wasser wird, ausgenommen unter sehr seltenen und gün-stigen Umständen, die Spuren der alten Küstenlinien verwischen undneue mechanische oder chemische Ablagerungen werden dieselben nochweiter verbergen. Was die Beweise einer Senkung der Küsten vonEuropa auf einen beträchtlichen Raum an seiner westlichen Meeres-küste angeht, so werden sie uns glücklicher Weise durch die Bäumeund Ablagerungen von anderen Pflanzen in ihrer Nähe geliefert, wel"che mit dem Namen von submarinen Wäldern bezeichnet worden sind-Man findet dieselben unter denselben allgemeinen Verhältnissen vonden Küsten von Skandinavien bis zu denen von Spanien und Portugalund an den Britischen Inseln. Ihre allgemeinen Charaktere sind demGanzen so gemeinsam, dass, ohne eine absolut gleichzeitige Semkung oder eine Senkung von gleicher Grösse an allen Orten anzmnehmen, eine sehr bestimmte Veränderung in dem relativen Niveau vonMeer und Land über dem ganzen Flächenraum übrig bleibt. Dies®Wälder finden sich bisweilen an der Seeseite eines kleinen Thals undanderer grösserer Thäler, selbst unter den Ablagerungen eines bedeu'tenden Aestuariums, und erstrecken sich unter Ablagerungen vonKies, Sand und Thon auf beträchtliche Entfernungen ins Land, wöbe 1 j.[die letzteren bisweilen etwas über dem Meer erhoben sind und be-trächtliche Landstrecken einnehmen.

Die Flächen, auf welchen diese Wälder ruhen, haben eine wechselnde Neigung, obgleich sie sich gewöhnlich in einem sehr geringe 11Winkel nach dem Meere zu senken. Wenn der Beobachter sich denkt»dass während niederem Wasserstanda an einer Küste, welche Ebbeund Fluth besitzt, eine Veränderung in dem relativen Niveau von Lanund Meer stattfindet, so dass die Linie der Ebbe zur Linie der hi u