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Vorschule der Geologie : eine Anleitung zur Beobachtung und zum richtigen Verständniss der noch jetzt auf der Erdoberfläche vorgehenden Veränderungen sowie zum Studium der geologischen Erscheinungen überhaupt : nach dem "Geological Observer" des Sir Henry T. de la Beche : mit über 300 in den Text eingedruckten Illustrationen in Holzschnitt / Henry T. de la Beche ; frei mit Zusätzen bearbeitet von Dr. Ernst Dieffenbach
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404
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404 Schwierigkeit im Verfolgen von erhobenen Strandlinien.

bringen würde, wie heutigen Tages in der Fundy-Bai, sieht man Spu-ren von erhobenen Küsten, die um so interessanter sind, als sie frühereBewegungen dieser Art mit den jetzt stattfindenden verknüpfen. Maufindet eine sehr werthvolle Uebersicht darüber von Elie de Beau-mont in seinen Bemerkungen über die Untersuchungen von Bravaisin Skandinavien *). Schalen von jetzt als Littoralarten an den Küstenvon Norwegen lebenden Mollusken findet man 518 Fuss über demMeere in der Provinz Drontheim, 482 Fuss in Skiöldal und Hellesaöm360 Fuss um den See Odemark und 206 Fuss in Uddevalla. Auchwird das frühere relative Niveau von Meer und Land an den Norwegi-schen Küsten durch Erosionslinien bezeichnet. In Finmarken wurdenSpuren einer alten Meeresküste von Alten-Bai bis Hammerfest ver-folgt. Diese bestanden aus Ufern und abgenutzten Gesteinsklippemwelche eine so geneigte Ebene bildeten, dass dieselbe in Altenfiord221 Fuss, bei Hammerfest nur 94 Fuss über dem Meere war. Unterdieser ersten Linie war eine zweite, 88 Fuss über dem Meere am ei-steren Orte, 46 Fuss an dem letzteren, und diese beiden Linien fiele 11von Süden nach Norden, während jetzt in dem nördlichen Skandina-vien die umgekehrte Bewegung stattfindet. Bravais glaubt, dass eieine dritte alte Küstenlinie zwischen diesen mehr hervorstechenden L>-nien giebt, welche nicht genau mit einander parallel laufen, obgleichdies so auf kurze Entfernungen erscheint, ein Umstand, aus welchemman die Nothwendigkeit genauer Messungen bei Untersuchungen dicse fArt entnehmen kann.

Bezüglich der Gesteinserosionen in Verbindung mit erhobene 11Ufern an einem offenen Ocean, und wo Veränderungen durch eine ver-schiedene Ebbe und Fluth während der Erhebung des Landes stattg 0 'funden haben, soll hier eine der frühesten Beobachtungen der Art durchCapitän Vetch an der Insel Jura, eine von den Hebriden, erwäho 1werden. Er fand dort sechs oder sieben erhobene Strandlinien,höchste ungefähr 40 Fuss über dem jetzigen Hochwasserstande. D* e "selben bestehen aus Geschieben von Quarzfels, aus dem die Insel 1> 0 'steht, ungefähr von der Grösse von Cocosnüssen, und sie sind durch'aus denen ähnlich, welche die jetzigen Ufer an der Seite von Jura na 0Loch Tarbert bilden, wo man diese erhobenen Strandlinien deutleerkennt. Ihre Breite wechselt nach der Art des Bodens; wo dersel beabschüssig ist, beträgt sie etwa 300 Fuss; bei sanfter Neigung, wi 0 **der Nordseite des Loch, dreiviertel engl. Meilen vom Ufer**).Strand ruht zum Theil auf nacktem Gestein, und zum Theil auf ein 0in

Mischgestein von Thon, Sand und eckigen Stücken von Quarz!Vetch beobachtete, dass sich Höhlen in demselben Niveau an

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*) Comptes rendus. Vol. XV., p. 817 (1842).

**) Geological Transactions (2), Vol. I.