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11 (1850) Franz von Baader's Tagebücher aus den Jahren 1786 bis 1793 / herausgegeben von Emil August von Schaden
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XII
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Fülle des Tiefsinnes und einer gleichsam condensir-ten Geistesschärfe zu erwähnen, mit welcher Baaderdas von ihm entdeckte Princip auf alle Gebiete derWissenschaft, der Kunst und des Lehens anzuwen-den verstand. Der gesammten Theologie und Reli-gionsphilosophie, der Anthropologie und Psychologie,der Ethik, Politik und Rechtsphilosophie, der Natur-philosophie und Metaphysik sind aus der grossartigenAuffassung des Baaderischen Princips durch denMeister selbst Bereicherungen zugeflossen, in derenvollständigen Besitz sich bis jetzt noch nicht einmaldie Schule der Philosophen, geschweige denn dasöffentliche wissenschaftliche Bewusstsein der deut-schen Nation gesetzt hat. Mit dieser Gabe einesumfassenden und weitschauenden Tiefsinnes vereinigtesich die eines eigenthümlichen, bis an die Gränzedes Humors streifenden philosophischen Witzes, derselbst das tiefere Wortspiel, nicht verschmäht. Aller-dings mag das muss man eingestehen dieGabe des Witzes für gewöhnlich als eine für denPhilosophen höchst zweideutige und gefährliche ge-achtet werden. Denn der Witz neigt zum Zufälligen,das dem Wahren seinem Begriffe nach entgegenstrebtund mit diesem selbst nur in eine zufällige Ueber-einstimmung zusammentreten kann. Wenn dies aberauch für das die Gränze des Gewöhnlichen nichtüberschreitende philosophische Talent gelten soll,wird es doch nie seine Anwendung' auf einen Geistfinden, wie der unseres Baader war. Denn selbstzugegeben, dass ihn dann und wann der glänzendeSchimmer seines sprudelnden Witzes zu weit hinge-