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11 (1850) Franz von Baader's Tagebücher aus den Jahren 1786 bis 1793 / herausgegeben von Emil August von Schaden
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rissen haben mag, so erscheint er doch in den mei-sten Fällen nur als das reizende Aussenwerk einertiefgefühlten und ernst durchdachten Wahrheit, diekraft dieses blendenden Gewandes selbst nur wiederzum yövijJLov neuer Erkenntnisse wird. Es ist oft,als wenn man unter dem Einflüsse dieser schlagen-den Lichter die letzte Hülle des grossen Räthselsweggenommen wahrnähme. Und zwar ist dies umso mehr der Fall, als diesem tiefsinnigen Witze beiBaader eine Phantasie zu Gebote steht, welche jedeihrer mächtigen Ideen zu verkörpern versteht, unddurch ihre zwar oft kecken, aber immer poetisch an-schaulichen Bilder höchstens für den Schwachen dannund wann die erkannte Wahrheit verhüllt, für denEbenbürtigen aber die Evidenz der ausgesprochenenErkenntniss fast zur Nothwendigkeit steigert.

Diese erhabene Einheit von Tiefsinn, Witz undPhantasie, welche sieh in allen Baaderischen Arbeitenoffenbart, führt auf eine Eigenschaft unseres Philo-sophen, die nicht selten mit dem Tone des Vorwur-fes erwähnt wird: seine Kürze und sein Styl;beide von der Art, dass sie innig zusammenstimmen,ja im Grunde nur Eines sind.

Die Kürze Baaders ist eine doppelte. Einmalerscheint sie darin, dass Baader überall unaufhalt-sam vorangeht und es durchaus verschmäht, zumMaler zu Werden. Dann aber übersteigen die we-nigsten seiner Arbeiten den Umfang einiger Bogen.Beides liegt in der staunenswerthen Productivität*eines Geistes, wie der Baaderische war. Einer sol-chen Natur ist es nicht eigen, mit behaglicher Um-