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11 (1850) Franz von Baader's Tagebücher aus den Jahren 1786 bis 1793 / herausgegeben von Emil August von Schaden
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XIV
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XIV

ständlichkeit ein Wohnhaus zu bauen. Sphinxe, Ko-losse, Obelisken, selbst nur giganteske Grundrissesind mehr nach ihrer Anlage und ihrem Geschmacke.Für congeniale Kenner wiegen einzelne BaaderischeAbhandlungen Folianten auf. Manche grossartige Gei-ster denken oft mehr als sie sprechen, und ein So-krates ward niemals Autor.

Der Baaderische Styl ist unter den Männernvon Fach fast sprichwörtlich geworden. Neben zahl-reichen, oft unrichtigen und provincieilen Eigenheitenhat er allerdings etwas Massenhaftes, etwas Cyldopi-sches und nicht selten den Anschein gedrängter Ver-worrenheit. Es liegt das aber theils in der Kühnheitder jedesmaligen Conception, theils in dem oft wun-dervollen Zudrange neuer, gewichtvoller Ideen, end-lich in einer unergründlichen Originalität individuellerSprachschöpfung. Wer den ganzen Gedankengehalteiner Baaderisclien Periode- sei sie auch noch sogross vollständig erfasst hat und dieselbe sodannmit ernster, gehaltener Stimme laut zu lesen ver-sucht, der wird nicht selten in den verschlungensten,gleichsam mit einem gewissen Wortübermaasse ge-wappneten Sätzen einen strengen Wortlaut, eine rauhgegliederte Harmonie entdecken, welche zwar nichtan den Gipfelpunkt, aber an die grossartigen Anfängealler Künste erinnert. In Vorreden, Einleitungen undpolemischen Stellen endlich, die ihrer Natur nachnur eine weniger gedrängte Gedankenfülle enthaltengönnen, erhebt sich der Baaderische Styl sogar häufigzu einem gewissen fliessenden Schwung, der abernie modern bedeutungslos wird, sondern immer den