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Tritt einer strengeren Muse (cd oovtovmts^ar xvjvMovocur) einhält. Jedes inhaltreichere und erhabenereTalent ist immer eine Specialität. Ihm seine indivi-duellen Eigenheiten und selbst Mängel nehmen wol-len, heisst gewöhnlich nichts anderes, als es seineredelsten Tugenden und Vorzüge berauben.
Alle diese grossartigen und seltenen Eigenschaf-ten des Philosophen Baader werden aber schliesslichdurch die Höhe und Tiefe seines sittlichen Ernstesgekrönt. Baader ist nichts weniger als ein schmei-chelnder Autor. Mit unnachsichtlicher Schärfe schneideter in das lebendige Fleisch des Individuums wie derGesellschaft ein, und alle Anforderungen, die er anAndere stellte, hat er zuerst gegen sich selbst undseine eigene Natur gerichtet. Ohne gründliche Er-neuerung des ganzen sittlichen Menschen nach allenseinen Fähigkeiten und Kräften ist keine wahre Er-kenntnis möglich: — das ist das fundamentale Axiom,welches er überall an die Spitze seiner Erkenntniss-lehre stellte. Pour se donner, il faut s’appartenir,sagte er mit Vinet, wie er auf der anderen Seitejede höhere, fruchtbringende Erkenntnis selbst wie-der als eine Gabe erfasste. Seiner innersten Ueber-zeugung nach durch und durch Christ, erwies er sichauch als Philosoph dadurch als solchen, dass er diereligiöse Erkenntnis als den Führer in alle Wahrheitbetrachtete und jedes nicht auf Glauben begründeteMoralprincip für Wort- und Windmacherei erklärte.Darum .ist es eine heilige Strenge, ein verzehrenderEifer um das Haus des Herrn, der sich durch alleSchriften Baader’s hindurchzieht und namentlich seine