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Die Armee in der Bewegung : I. Innere Anordnungen, [II. Hindernisse der Bewegung] : mit 8 Tafeln und Plänen / [Josef Gallina]
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Die Armee in der Bewegung.

i ) in solche, wo das Kriegs-Brückengeräthe gar nicht oder nurausnahmsweise für ganz kurze Zeit in Anwendung kommen darf.

Letzteres ist bei sehr breiten Flüssen oder Strömen der Fall. Soz. B. würden an der unteren Donau die Brückenequipagen selbst einergrossen Armee höchstens für eine einzige Brücke ausreichen. Ausser-dem wäre das Brückengeräthe viel zu schwach, um dem heftigenWellenschläge zu widerstehen, der auf der grossen Wasserfläche durchstromaufwärts streichende Winde häufig hervorgerufen wird. SolcheFlussstrecken nöthigen dann zum Baue von halbpermanenten Schiff-brücken ; was aber ungleich mehr Zeit beansprucht als die Errichtungeiner Kriegsbrücke.

Derlei Umstände erhöhen mithin die Bedeutung des Gewässers.

Selbstverständlich bilden Wasserläufe, die den grössten Theil desJahres für alle Waffen und auch für den Train ohne Brücken passirbarsind, wie z. B. manche Torrenten, während der Zeitdauer ihrer perio-dischen Anschwellungen im obigen Sinne ein mehr oder minder be-deutendes Hinderniss.

Bei Flüssen, welche den Brückenschlag bedingen , kommen inBetracht:

a) die vom allgemeinen Verkehre benützten Uebergangsstellen;nämlich die Brücken, Fähren, Furten;

b) jene Strassen, welche die Verbindung der zu beiden Seiten desGewässers liegenden Gebiete vermitteln, und

c) die Anzahl der auf beiden Ufern befindlichen und mit denselbenin gleicher Bichtung ziehenden Parallelstrassen nebst ihren Abständenvom Ufer und unter sich.

Diese Communications-Verhältnisse lassen sich aus jeder Special-karte erkennen, da solche die Terraingestaltung, die bestehendenUebergänge: Brücken, Fähren oder Furten, endlich die Anzahl, Bich-tung und Gattung der Verbindungswege dies- und jenseits enthalten.

Die Anzahl der stehenden Brücken und der über einen Fluss füh-renden Verbindungen steht immer in geradem Verhältnisse zurCultur-stufe jenes Gebietes, in welchem der Fluss liegt. Dies zeigt ein Ver-gleich der Wasserläufe des europäischen Westens mit jenen von glei-cher Bedeutung, welche die mehr östlichen Reiche durchströmen.

Je breiter übrigens das Gewässer ist, in desto geringerer Zahltrifft man stehende (permanente) Brücken, da deren Erbauung und Er-haltung immer äusserst kostspielig bleibt.