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Die Armee in der Bewegung : I. Innere Anordnungen, [II. Hindernisse der Bewegung] : mit 8 Tafeln und Plänen / [Josef Gallina]
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§ 19 , Direote Vertheidigung einer Flussstrecke.

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1. Jeder Fluss hat in längerer Strecke gewisse Stellen, die demFeinde wenigstens insoweit günstig sind, dass ihm der Brückenschlagzu einem Massenübergange nicht verwehrt werden kann. So z. B. sindam Mincio die Punkte Goito und Monzambano für einen Uebergangvom rechten auf das linke Ufer, jene bei Salionze und Valeggio hin-gegen einem Uebergange vom linken auf das rechte Ufer günstig. Ander Enns dominirt das linke Ufer in der Strecke von der Stadt Ennsbis Thaling und das rechte von Ernsthofen aufwärts bis Steyer.

2. Weil der Vertheidiger das jenseitige Ufer nicht beherrscht,bietet der Fluss dem Angreifer mehr Yortheile als dem Vertheidiger.Denn jener kann den Fluss als Vorhang benützen, um hinter demselbenseine Bewegungen zum Massenübergange an beliebigem Punkte ver-deckt auszuführen, und wird daher immer überraschen, wie z. B. 1859der Marsch der verbündeten französisch-sardischen Armee hinter derSesia nach Palestro und Vercelli.

Wenn der Vertheidiger nichts gethan hat, um das jenseitige Uferzu beherrschen, ist er eben auch leicht über den wahren Angriffspunkt zutäuschen und zu verleiten, sich an einer Stelle zu concentriren, dievon jener weit entfernt liegt, wo der Angreifer seine ganze Kraft ge-sammelt hat. Erkennt dann der Vertheidiger seinen Irrthum, so er-übrigt ihm selten mehr die Zeit, den wahren aber entfernten Ueber-gangspunkt des Angreifers zu erreichen und diesen am Debouchiren zuhindern; und zwar weniger wegen der Länge des zurückzulegendenWeges, als vielmehr deshalb, weil die nöthigen Parallelstrassen seltensich finden, um mit der eben in solchen Fällen dringend gebotenenSchnelligkeit bedeutende Massen auf einmal an den bereits debou-chirten Feind zu bringen.

Wäre z. B. AB, Fig. 31, die Ausdehnung der besetzten Fluss-strecke, betrüge die Länge des von B gegen A führenden WegesIT Meilen, würde der Vertheidiger in Folge eines Angriffes gegen Balle seine Reserven dort vereinigt haben und müsste er diese gesamm-ten Truppen plötzlich gegen A in Marsch setzen, weil im Verlaufe derBegebenheiten sich zeigt, dass hier der wahre Angriff stattfindet, sowürden, mit Ausnahme jener Colonne, welche die zunächst des Flussesvon B nach A führende Strasse als die kürzeste Verbindungslinie be-nützt, alle übrigen nur auf bedeutenden Umwegen nach A gelangenkönnen.

Bei Benützung einer einzigen Strasse ist die Zeit (Z), welche eineTruppe benöthigt, um von einem Punkte (Z?) an einem zweiten (A) ins-gesammt, d. i. auch mit der Queue einzutreffen, gleich der Länge des

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