§. 19. Directe Vortlieidiguug einer Flussstrecke.
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Flüsse, bei denen solche Eigenschaften Vorkommen, sind aberhöchst selten anzutreffen, so dass dieselben sich fast immer noch alsviel zu ausgedehnte Defensivlinien erweisen werden.
So war z.B. die gewiss sehr kurze, 4 Meilen betragende Streckedes Mincio zwischen Peschiera und Mantua in allen Feldzügen viel zugross für die Armeen, welche dieselbe zu behaupten versuchten.
Die Enns-Linie stützt sich bei Steyer in der linken Flanke andas Hochgebirge, in der rechten an den Donaustrom. Obschon eineder kürzesten Defensivlinien, hat dieselbe doch 4 Meilen Ausdehnung.Bei der Stadt Enns würde, wegen der dominirenden Lage des linkenUfers, einem westlichen Gegner der Massenübergang immer möglichsein.
Zur Vertheidigung geeignete Flussstrecken, wie die eben erwähn-ten (Mincio und Enns) kommen aber sehr selten vor und selbst diesebedingen eine gewisse Stärke der Armee.
Flüsse von mittlerer Breite haben in der Regel auch einen ent-sprechend langen Lauf. Nirgends in Europa ist in jenen Länderstrichen,wo Operationen grösserer Heere stattfinden können, der Flusslaufkürzer als bei den Zuflüssen am linken Po-Ufer; namentlich bei denaus Seen kommenden, wie beim Ticino, der Adda, dem Oglio, dem Min-cio. Und dennoch haben selbe eine solche Länge, dass es unmöglichist, mit Armeen, wie sie bis in die neueste Zeit dort in Verwendungkamen, eine directe Vertheidigung durchzuführen.
Der Ticino hat nämlich eine Länge von 12 Meilen, die Adda15, der Oglio 16 Meilen, welche folglich drei- bis vierfach grösser istals jene, die eine Armee von 100- bis 150.000 Mann directe vertheidi-gen könnte. Jedesmal hatte die Absicht, selbe dennoch festhaltenzuwollen, zur Zersplitterung der Kräfte geführt, was den Durchbrucherleichterte. Beschränkte man sich aber auf einen mit den disponiblenStreitkräften im Verhältnisse stehenden Flussabschnitt (wie 1859 amTicino), so umging der Gegner einfach diesen Abschnitt (wie bei Tur-bigo). Eine Armee von obiger Stärke kann daher selbst auf einem ver-hältnissmässig schmäleren Kriegsschauplätze, wie der am linken Po-Ufer östlich des Mincio gelegene, weder in der ganzen Breite desselbenvorrücken, noch in der Defensive obige Flüsse ihrer ganzen Längenach besetzen.
Eine am linken Po-Ufer in der Richtung von 0. nach W. oderumgekehrt operirende Armee kann sich mit einem Flügel entwederan das Gebirge oder an den Po lehnen oder auch mit dem Centrum sich